Mäzenin ohne Millionen

Zürichs Kunstszene blüht. Um zarte Sprösslinge kümmert sich Esther Eppstein. Mit ihrem Message Salon betreibt die Kunstvermittlerin seit über 10 Jahren Graswurzelarbeit.

Esther Eppstein ist bereits mit 40 Jahren die Grande Dame der Zürcher Off-Gallerien Szene. Seit 1995 verfolgt sie ihre von Gertrude Stein inspirierte Vision eines experimentellen Kunstsalons mit intimem Charakter. Off-Spaces, oft durch Künstler geführte non-profit Kunsträume, leben selten lange. Doch Eppstein hat eine Szene aufgebaut; Künstler, die bei ihr zum ersten Mal brillierten, Kunstfreunde die über sie den Zugang fanden. Erst am Rennweg, später am legendären „Dreieck“ zwischen Zweier- und Ankerstrasse, dann am Rigiplatz und jetzt „Message Salon downtown“ im Gemeinschaftsraum Perla Mode an der Langstrasse. Ihre seit jeher rasant wechselnden Vernissagen sind Happenings der Zürcher Bohème. Eppstein vermittele Kunst an eine Szene, die sonst nie in Galerien gehe, schrieb 1997 der Künstler Laurent Goei. Mittlerweile haben sich all jene sehr daran gewöhnt, in ihren Salon zu kommen. Ihr Label „Message Salon“ ermöglicht Künstlern aller Art ein Publikum, gelegentlich inszeniert sich auch die zierliche Esther mit eigenen Werken oder mit Selina Trepp als Duo Treppstein.
„Ohne lebendigen Untergrund - keine grosse Kunstwelt“, erklärt Eppstein. Den zu vernetzen und mit neuen Gesichtern zu erfrischen ist ihre Mission. „Ich bin nicht stehen geblieben, Offenheit zu erhalten ist meine Aufgabe. Ich bin keine normale Galeristin.“ Ihre Dokumentation, die ewig wachsenden Fotoalben sieht sie als künstlerische Arbeit. So wie ihre Sammlung. Von Zeit zu Zeit, wenn ihr Archiv vor teils skurrilen Veröffentlichungen zu platzen droht, verkündet sie eine ihrer grossen Liquidationen, die stets zur Party ausarten.

Menschen und Kunst zu verknüpfen ist der charismatischen Lady angeboren. Schon ihr Vater, ein jüdischer Masseur, Radsportler und späterer ungelernter Tresorverkäufer, bewegte sich in der Zürcher Kunstwelt. Ihre Mutter hatte in Luzern Grafik erlernt, bei Jacques Plancherel, demselben Lehrer den Esther an der Grafikfachklasse Luzern haben sollte. Nach einem Austausch in Warschau brach Esther die Lehre ab. Für einen geregelten Weg war sie zu eigenwillig, und zog fortan durch die alternative Szene. Eppsteins Do-It-Yourself Einstellung entspringt der 80er Jahre Bewegung, Punk und selbstkopierten Fanzines. Wie man Räume annektiert und zu Freiräumen erklärt, um dort Kunst entstehen zu lassen, sah sie in den frühen 90ern im Wohlgroth Areal und dem Kunsthaus Örlikon. 1995, als junge Mutter fühlte sie dann die Kraft für Konkretes und eröffnete Monotony, den Vorläufer ihres Salons.
Würde Eppstein aufhören, gäbe es eine Lücke. Der Raum zwischen Frühwerk und Kunstbetrieb ist ihre Welt. Esther sei sehr nahe dran, wenn etwas beginne, meint Kerim Seiler, der seine Werke erstmals bei ihr zeigte. Sein Freund David Renggli brachte ihn 1997 zu Esther. „Damals dachte ich nicht mal an eine Einzelausstellung“, erzählt der bekannte Plastiker. Wie das Eppsteins Art ist, liess sie Seiler machen und verlangte weder Konzept noch Miete. Kunst frei entstehen zu lassen ist Weg und Ziel. Der Künstler organisiert, Esther hilft. „Freiheit statt Sicherheit“ sagt sie, manche Experimente seien auch schiefgegangen. Nicht so bei Seiler. Am ersten Abend war alles verkauft. Kuratoren wurden aufmerksam, Ausstellungen folgten. Noch heute stellt Seiler bei Esther aus, er habe Respekt vor ihrer Konstanz als alternativer Kunstvermittlerin, sie sei eine wichtige Institution in Zürich.
Als Pionierin der Off-Kultur würdigte man sie 2005 im Helmhaus, 2006 erhielt sie zum zweiten Mal den eidgenössischen Preis für Kunstvermittlung. Geld könne sie gut gebrauchen, lacht Eppstein, deren Projekte oft rote Zahlen schreiben , doch wichtiger sei die Anerkennung ihrer Kunst, der Kunstvermittlung.

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