Business Punk

Montag, 25. Juni 2012

Architektur: François Perrin

Manche versuchen verzweifelt, Beruf- und Privatleben voneinander zu trennen. Der frühere Pariser Skateboarder und heutige Architekt François Perrin hingegen gab beim Wellenreiten in Los Angeles alten Freunden ein paar Tipps für deren Lebenstraum – und kam so zu einem Businessprojekt, das endlich seine zwei großen Lieben vereint: Skateboarden und Wohnhäuser entwerfen.

Interview: Hannes Grassegger

Perrin, 44, Inhaber des kalifornischen Architekturbüros Air Architecture, baut dieses Jahr eine komplett skatetaugliche Villa auf die sonnigen Hügel des Malibu Canyon. Das erste Skatehaus der Weltgeschichte für den erfolgreichsten Manager der Skategeschichte – Etnies-Chef Pierre-André Senizergues (siehe Business Punk Ausgabe 02/2012). Und der träumt jetzt schon von ganzen Skaterstädten.

Francois, mal ehrlich. Bist du damals aus Paris nach Los Angeles gezogen, um zu arbeiten – oder um zu surfen?

Mh. Die Wellen sind gut hier. Aber ganz ehrlich: Ich kam zum Arbeiten. Ursprünglich bin ich mehr Skater als Surfer.

Warum dann L.A.?

Ich bin eine Zeit lang um die Welt gereist, war surfen und habe mir dabei immer die lokale Architektur angeschaut. Los Angeles hat eine riesige Spannweite an toller Architektur. Wenn man eine Liste der 100 interessantesten Wohnhäuser des 20. Jahrhunderts machen würde, dann kämen aus L.A. allein zehn davon. Mindestens. Und dann gab es hier eine Art Erleuchtung für mich: das Haus, das Star-Architekt Frank Owen Gehry für sich selbst gebaut hat. Als ich das gesehen habe, wusste ich, hier kannst du deine Träume verwirklichen.

Und das Skatehaus ist dein Traum?

Es ist der Traum von Etnies-Chef Pierre-André Senizergues und Etnies-Mitbegründer und Chefdesigner Gil Le Bon Delapointe. Es soll das Haus von Pierre werden. Seit Jahren arbeiten sie daran und haben mich Ende 2010 engagiert. Es war Pierre Traum, und Gil hat angefangen zu entwerfen. Ich kannte Gil vom Surfen, durch einen Freund aus dem französischen Biarritz, und gab ihm manchmal Tipps zur Architektur. Ich habe als Skater und als Architekt schon immer versucht, die zwei Elemente zu vereinen. Schon im Studium. Deshalb war ich begeistert von diesem Auftrag.

Und was ist das Konzept?

Gils Idee ist der Loop. Er kommt vom Rampen-Skaten. Das Haus soll ein riesiger Loop werden , wie zwei aufeinandergelegte Minirampen.

Geskatet und gesurft wird eigentlich draußen. Es geht ums Gleiten und um Bewegung. Architektur ist etwas Festes und Statisches. Das sind zwei unterschiedliche Welten – wie passt das zusammen?

Es geht bei diesem Gebäude um den Flow. Das Fließen. Gebäude können sehr wohl fließend sein, das habe ich auf meinen Reisen gelernt. Denk an Iglus oder an Zelte in der Wüste. Ich glaube, ursprünglich war Architektur fließender, Gebäude folgten den Elementen Wind, Wasser und Sonne.

Und wie setzt du das im Skatehaus um?

In diesem Haus wird man sich immer bewegen können. Man soll komplett durchfahren können, vom Eingang bis zum Ausgang, immer im Loop. Das ist wirklich das erste Mal, das jemand versucht, solch einen Hybrid aus Lebensraum und Skatefläche zu erschaffen. Ein Mix aus Skatepark und Wohnraum. Die Herausforderung ist, das zu vereinen und eine gute Balance zu finden.

Was sind die Schwierigkeiten?

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Dienstag, 19. Oktober 2010

Ein Herz aus Stein

Auf dem Berg, in der Manufaktur und über den Büchern mit Menschen die den perfekten Ski bauen wollen.
-Von Hannes Grassegger und Nikolaus Roettger -

Und plötzlich hat Simon Jacomet seine Ski nicht mehr unter Kontrolle, er schießt auf den Felsabgrund zu, ein kleines, hüfthohes Mäuerchen davor wird ihn kaum stoppen, gleich wird er darüber stürzen, zwanzig Meter in die Tiefe - bamm -, da knallt er schon gegen die Mauer, er prallt ab, scheint kurz über dem Abgrund zu schweben, schmeißt sich gegen die Fahrtrichtung rückwärts und landet irgendwie auf der Piste. Sogar auf seinen Ski.

Und er fährt einfach weiter. Als sei nichts gewesen.

So ein Aufprall, so ein Abgrund, das kann doch mal passieren.
Aufstehen, nicht aufhalten lassen, weitermachen, auch wenn es weh tut - das passt zu Jacomet. Denn er ist besessen. Er hat ein Ziel, eine Mission, und dabei geht es nicht nur um Spaß und tollkühne Stunts:

Er will den perfekten Ski bauen.

Seit Jahren tüfelt Jacomet daran herum. Er bastelt, er erfindet neue Details, er verwendet völlig neue Technologien. So hat er einem seiner Ski einen Steinkern verpasst, andere sind nur aus einem Material geformt, sind ganz aus Karbon. Für seine Mission hat Jacomet Zai gegründet, eine kleine Manufaktur in der Schweiz, mit der er nichts weniger vor hat, als eine "Revolution im Skibau", wie er das sagt. Dafür gibt der 47-Jährige alles: Am Berg und in seiner Werkstatt in dem kleinen Schweizer Ort Disentis.

Ein Stückchen hinter Chur liegt der Ort, hinter bewaldeten Schluchten mit eisig grauen Wildwassern, bizarren Kalkfelszacken und bedrohlichen Felsstürzen. Rätoromanisch wird hier gesprochen, eine Art kehlig klingendes Italienisch vermischt mit Schweizerdeutschen Fetzen.

Bei Zai sprechen die Mitarbeiter das lokale rätoromanische Idiom Sursilvan, aus dem auch der Name des Unternehmens stammt: Zai wie zäh. Als habe Jacomet schon damals bei der Firmengründung geahnt, was für harte Jahre auf ihn und sein Unternehmen zukommen würden.

Denn auch im siebten Jahr nach Gründung macht Zai noch Verlust.
800 Paar Ski verkauft das Unternehmen pro Saison und machte 2009 einen Umsatz von etwa 2,5 Mio. Schweizer Franken, umgerechnet rund 1,9 Mio. Euro. Eigentlich, sagt man in der Branche, sind kleine Anbieter ab 500 Paar in den schwarzen Zahlen. Aber bei Zai reicht das nicht: Jacomet prasst bei seiner Entwicklungsarbeit.

1 Mio. Franken steckt er jedes Jahr in Löhne und Material für seine Ski, rund 210 Franken je Kilo allein bei dem neuen Modell "Nezza", das diese Saison auf den Markt kommen soll. Dazu zehn festangestellte Mitarbeiter, die teuren Maschinen in den eigenen Räumen - all das drückt die Rendite, macht die Margen deutlich kleiner als im Branchenschnitt. Obwohl die Zai-Ski wesentlich teuerer sind. Das Einsteigermodell kostet 3600 Franken, das teuerste ist für 9800 Franken zu haben.

"Es ist eigentlich ein unvernünftiges, ein dreistes Modell", lacht Zai-Geschäftsführer Benedikt Germanier.

Er ist ein alter Freund von Jacomet, sie kennen sich aus gemeinsamen Skilehrertagen. Anfang 2009 arbeitete Germanier noch als Währungsexperte bei der Schweizer Bank UBS, aber er hatte genug von der "Abgehobenheit der Finanzbranche" und der Welt des virtuellen Geldhinundherschiebens. Ihn beschlich damals das Gefühl, sagt er, dass mancher Kollege für einen guten Trade sogar seine Großmutter verkaufen würde.

"Ich war nur noch eine Henne im Mastbetrieb der Finanzbranche", erinnert er sich.

Darum zögerte er nicht lange, als sein Freund Jacomet klagte, dass Zai Unterstützung bräuchte. "Kann ich Dir helfen?" fragte Germanier sofort.

Und Jacomet antwortete: "Wenn du vernünftig bist, bleibst du, wo du bist. Und ich steige aus dem Luxusmarkt aus."

Doch Germanier war nicht vernünftig. Er kündigte seinen Job als Banker, verzichtete auf sein hohes Gehalt, den Trading Floor, den Bonus, seine 250 Quadratmeter Villa in Connecticut und stürzte sich ins Unternehmertum. "Manchmal weiß man, wenn man etwas einfach machen muss."

Das Werksgelände von Zai liegt auf rund 500 Quadratmetern im Erdgeschoss eines ehemaligen Bauernhofs in Disentis. Die Ski werden mit einer eigens entwickelten Technik geschliffen, die Vorspannungsmessmaschine hat Jacomet einer Universität abgekauft.

Er experimentiert auf höchstem technischen Niveau. Mit pflanzlichem Gummi, mit Materialien, die sonst in der Luftfahrt verwendet werden, und dem besagten Granitkern, der etwa im Modell "Spada" verarbeitet ist. Der Stein ist mit einem Carbonfaserlaminat ummantelt und wird dadurch druckstabil und dennoch biegbar. Er soll die Ski dämpfen und für mehr Laufruhe sorgen. Weil Jacomet nichts von Computersimulationen hält, werden alle Modelle gebaut und dann von ihm selbst getestet.

Es gibt Tage, da kommt Jacomet morgens die Idee, nachmittags steht er dann mit den neu entworfener Brettern schon am Berg. Oder er übergibt das Paar an einen seiner Freunde von der Bergwacht, die dann für ihn Probe fahren.

Die Mitarbeiter von Zai sind alles Fachkräfte, vom Hochbauzeichner bis zum Automechaniker. Die meisten kommen aus der Gegend rund um Disentis. "Man muss die Berge kennen, wenn man Skier baut", sagt Jacomet. Zudem glaubt er, dass Mitarbeiter aus der Gegend seinem Unternehmen verbundener sind und nicht so schnell Betriebsgeheimnisse ausplaudern. Denn natürlich wird wie in jeder Industrie spioniert. Und wenn nicht geklaut wird, wird zumindest abgeschaut. Manch Skihersteller etwa, sagt Jacomet, kopiere inzwischen die von Zai entwickelte Negativstellung der Bindungsplatte, die dafür sorgen soll, dass die Fahrer eine entspanntere Haltung einnehmen.

So ärgerlich das ist, so sehr ist dies natürlich auch eine Auszeichnung. Jacomet genießt den Respekt der Branche, Zai ist so etwas wie das inoffizielle Testlabor der Industrie.

Auf der weltgrößten Sportartikelmesse ISPO in München präsentierte Jacomet im Februar den ersten Vollkarbonski, das besagte Modell "Nezza". Dieses Jahr soll es für einen Preis von 5300 Franken rauskommen, er ist aus reinem Karbon, nur durch Belag und Kanten ergänzt.

Ein weiteres Modell, das Zai in Zusammenarbeit mit Bentley entwickelt hat, ist genau das Gegenteil. Er besteht aus 44 Einzelteilen, normal seien höchstens zehn, sagt Jacomet. 250 Paar werden maximal von dem Bentley-Ski angefertigt. Es ist das teuerste Modell, 9800 Franken kostet ein Paar.

In Zeiten, in denen andere Skihersteller fast nur noch in Billiglohnländern arbeiten lassen, ist die Arbeitsweise von Zai eigentlich viel zu teurer Wahnsinn.

Das ganze Projekt ist Wahnsinn: Die Skindustrie ist ein hart umkämpfter Markt. Und ein schrumpfender. Anfang der 80er-Jahre wurden jährlich noch sieben Millionen Paar Ski verkauft, vergangene Saison waren es nur noch drei Millionen. Wie in diesen Märkten üblich, wird kräftig gekauft, verkauft und fusioniert. Völkl und Salomon etwa, für die Jacomet vor der Zai-Gründung 2003 gearbeitet hatte, haben den Besitzer gewechselt. Der Kostendruck bei der Herstellung ist riesig. Überall werden Kompromisse gemacht, die letzten großen Innovationen wie Snowboarding und Carvingski sind schon lange her. Die Firmen strapazieren ihr Sortiment, "Freeride", "Allmountain", "Backcountry", "Slopestyle", "Big Mountain Ski", alles für Mann und Frau. Die ständigen kleinen Neuheiten haben bei den Skifahrern vor allem zu einem Verhalten geführt: Sie leihen statt zu kaufen. Ein Teufelskreis, in dem nur Billiganbieter überleben.

Oder Highend-Produzenten, sagt Jacomet trotzig. Mehr Genuss, Leistung und Haltbarkeit sollen seine Modelle bieten, sagt er und wird dabei fast sprituell: "Es geht darum, beim Fahren einen Moment des Einklangs zu finden, in dem man Zeit und Raum ganz gegenwärtig erlebt und die Dinge einfach passieren."

Für diese Marketing-Esoterik, die nach einer Mischung aus Werbebroschüre und Erleuchtung klingt, hat er vor Ort einen ungewöhnlichen Unterstützer gewonnen: den Abt des Klosters in Disentis, in dem Jacomet zur Schule ging: "Seit 1300 Jahren sind in Disentis Mönche dem Leben auf der Spur. Sie wollen einschwingen in die Choreografie eines Größeren", wirbt Abt Daniel auf der Zai-Website. Mönche, Tänzerinnen und manchmal auch eine besondere Art von Skifahrern seien wie Zen-Schüler, sagt er. Als wäre Skifahren eine neue Form der Meditation.

Um Jacomets spirituelle Liebe zu den Bergen und zu seinem Produkt zu verstehen, muss man zwei Dinge über ihn wissen.

Erstens: Er ist einer der Vordenker der Branche. Mit 24 Jahren ist er Skilehrerausbilder, betreut Rennteams; mit 30 wird er ins Schweizer Demoteam berufen, wo er zusammen mit den besten Schaufahrern auftritt. Später ist er Mitglied der technischen Kommission des Schweizer Interverband für Skilauf (SIVS). Sein Job: neue und besserer Techniken für Ski zu entwickeln. Zusammen mit den Schweizer Skilegenden Sepp Bürcher und Andy Hangl bringt Jacomet in den frühen 90ern die damals neue Carving-Technik nach Europa. Die Carver wollen einen neuen Stil auf der Piste, lustvoller, effizienter, schneller, freier.

Die zweite Sache, die man wissen muss: In seinem tiefsten Herzen ist Jacomet weder Ingenieur noch Manager. Sondern Künstler. Für ihn sind Ski nicht irgendwelche Bretter, sie sind sein Werk. Das, was er aus seinem Studium der Kunst und Architektur in Florenz gemacht hat.

Seine Zeit an der Uni finanziert Jacomet sich als Skilehrer. Irgendwann kriegten die Talentscouts der großen Skifirmen auch ihn. "Ich wurde umworben, dabei suchte ich die Kunst", erinnert sich Jacomet.

1995 geht er zu Völkl. Ein Jahr später bittet Salomon ihn zu einem Produkttest. Die ganze Entwicklungsabteilung des Unternehmens hat sich versammelt, um zu sehen, was der junge Querdenker von ihrer Arbeit hält. Nicht viel. "Eure Produkte sind Schrott", teilt Jacomet der Mannschaft mit. Am nächsten Tag kommt ein Angebot von Salomon. Forschung und Entwicklung. Weltweit. Jacomet sagt zu.

Er entwickelt, tüftelt, arbeitet - aber ist irgendwann frustriert von der Verzagtheit und Massenmarktorientierung des Skibusiness. 2001 verlässt er Salomon und kehrt mit seinen Ersparnissen zurück nach Disentis, den Ort seiner Jugend. Dort baut er zusammen mit einem befreundeten Architekten ein Atelier, um endlich als Künstler zu arbeiten. Doch die Suche nach dem perfekten Ski lässt ihn nicht los. Endlich will er dabei so arbeiten und denken, wie er es als Künstler gelernt hat: Grenzen überschreiten. Provozieren. Alte Errungenschaften und Wissen nutzen. Zwei Jahre später gründet er mit einem Freund Thomas Straubli Zai.

"Zuerst hatten wir die Idee ein wundervolles Produkt zu schaffen", schwärmt Jacomet.

Der Businessplan kommt später. Neben Staubli, Mitinhaber der Investmentfirma Partners Group, findet Jacomet fünf weitere Investoren, die insgesamt etwa vier Millionen Franken Startkapital beisteuern. Der ehemalige Salomon-CEO Jean-Luc Diard stößt später dazu, er sitzt im Verwaltungsrat. Genauso wie Walter Bosch, Verwaltungsratsmitglied der Fluggesellschaft Swiss und des Schweizer Kabelnetzbetreibers Cablecom. Auch Dominique von Matt von der Werbeagentur Jung von Matt unterstützt die kleine Skigemeinschaft, Zai braucht eine Identität, muss eine Marke werden. Ein Ergebnis:

Wenn Zai eine Farbe wäre, wäre das Schwarz.
Toll, wenn die Zahlen es auch wären.

"2008 stellte sich für uns die Frage immer klarer", erzählt Jacomet. "Wie gehen wir mit dem emotionalen Projekt um?". Zwei Strategien sind damals denkbar. Entweder so weitermachen wie bisher, in der Hoffnung, dass irgendwann mit ein paar Hundert verkauften Ski mehr der Break-Even erreicht wird. Oder aber volle Kraft voraus, mehr Produkte auf den Markt bringen, die Marke Zai ausbauen und etwas Großes ausprobieren. Voraussetzung dafür aber ist: ein neuer Geschäftsführer, ein strategischer Kopf.

Heftige Diskussionen im Verwaltungsrat folgen, welcher Weg der richtige ist. Jacomet kämpft - vor allem unterstützt von Ex-Salomon-Mann Jean-Luc Diard - um den Ausbau. Und kann den Verwaltungsrat schließlich überzeugen, als er einen ehemaligen Skilehrer mit acht Jahren Erfahrung im Banking als Geschäftsführer vorschlägt: seinen Freund Germanier. Der hat seitdem eine Aufgabe:

"Ich muss Gewinne machen", sagt Germanier.

Im nächsten Jahr will er den Break Even erreichen. Das bedeute, den Absatz von 2009 um fast 50 Prozent zu steigern, auf etwa 1200 Paar Ski pro Jahr. Irgendwann sollen es 2000 bis 4000 verkaufte Paar sein, so viel Potential sieht er. Außerdem hat er in seinem ersten Jahr als Chef die Kosten gesenkt, unter anderem indem er das Marketing, das zuvor ein Fünftel der Betriebskosten fraß, nun aus dem eigenen Unternehmen heraus betreibt. Er kürzte sich selbst das Gehalt, kündigte einer Mitarbeiterin und verklickerte Jacomet, dass dieser nicht mehr so viel Geld in die Entwicklungsarbeit stecken dürfe. Kostenstopp! Für ihn und die anderen von Zai.

Trotzdem war klar: Zai brauchte frisches Geld.

Also suchte das Unternehmen neue Investoren - mit Erfolg. "Wir haben so eine starke Marke aufgebaut, fast nur durch Mundpropaganda, dass die Investoren Potenzial sahen", sagt Germanier. Wie viel Geld vor einem Jahr nachgeschossen wurde, will Zai nicht verraten.

Nun wird die Produktpalette erweitert. Accessoires wie Taschen, T-Shirts und Helme hat Zai eingeführt, auch Zai-Sonnenbrillen gibt es. Eine Brand-Extension im Golfmarkt ist für 2011 geplant. "Economies of Scope im Nischenmarkt", sagt Germanier. Mit Maschinen, die Skistöcke herstellen, könne man doch auch Golfschläger produzieren. Beim Verkauf will Germanier die Zusammenarbeit mit den besten Fachhändlern in den Kernmärkten Schweiz, Österreich und Deutschland intensivieren. Ein Drittel des Umsatzes wird immerhin dort gemacht. Er will versuchen die Margen zu erhöhen, indem er die Aufschläge der Händler neu verhandelt. Und er setzt auf den Ausbau des Werkverkaufs sowie per Internet. Nicht unerfolgreich, wie er sagt: Um 40 Prozent hätten die Vorbestellungen für diese Saison schon zugelegt. Das Wort Zai steht auch für Unbeirrbarkeit, für den Willen, sich durchzubeißen.

So wie Jacomet in Saas Fee nach seinem schweren Sturz vor dem Abgrund. Den ganzen Vormittag fährt er noch Ski, bis die Liftanlagen am Gletscher schließen. Trotz eines riesigen Blutergusses an seinem Oberschenkel. Laufen kann er nach der letzten Abfahrt allerdings kaum noch. Doch Simon Jacomet ist zäh.

Samstag, 3. Juli 2010

Gletscherski

...eine Case Study und ein Erlebnis...
...mit Investoren und Skilegenden...
...die edelsten Bretter der Schweiz...
...oder die grössten Marketingbretter Graubündens?...


...in der kommenden Herbstausgabe...

http://www.facebook.com/businesspunk

Mittwoch, 21. April 2010

Rallye. Yeah. Raus in die Wüste.

Raus in die tunesische Sahara. Wie zielstrebige Unternehmer sich selber in die Wüste schicken.

von Hannes Grassegger


„Ich bin heiss“, faucht Mirko Holzer, 33 Jahre, Gründer, Partner und CEO des Marketingunternehmens BrandMaker beim Skype Interview in seinen Computer, „ich muss mich nicht vorbereiten für diese Rallye. Ich hab keine Zeit dafür. Mein Business expandiert wie nie, da muss ich am Ball bleiben. Ich setz drauf, dass ich ein Naturtalent bin.“

Die Jungs von der Werkstatt hätten ihm gesagt, sein Porsche Carrera – ein Cabrio in Arctic Silber - sei genau für solche Herausforderungen entworfen. Jetzt will er die Karre ausfahren: Am 14. Mai 2010 startet der Karlsruher mit 15 weiteren Teams der so genannten Burning Fish Ralley von Zürich Richtung Sahara. Quer durch die Alpen, übersetzen in Genua, ab Tunis weiterbrettern durch den grünen Norden, das Steinmeer, rein in die Wüste. Raus aus allem. Fertig Blackberry, ciao Internet.

sahara


„Seit zehn Jahren check ich jeden Tag meine Emails“, pusht Holzer durch die Leitung, „ich hatte keine lockere Studentenzeit, stattdessen eine eigene Firma. Ich hab was nachzuholen.“ In den ersten sieben Firmenjahren hat Holzer, dessen Marketing-Software mittlerweile weltweit von über 100.000 Kunden genutzt wird, keinen Urlaub gemacht. Sieben Tage die Woche, zwölf, 14, 20 Stunden am Tag, Koffeintabletten, Meetings, Guarana, Investoren. Seit drei Jahren arbeite er „nur noch 70 Stunden die Woche“. Da will er jetzt mal raus. Manchmal träume er schon von der Wüste. Diese Rallye sei für’s Kind im Manne, schwärmt Holzer. Er und sein Beifahrer haben ihr Team „Alpha Spirit“ getauft. Für das Logo, einen Löwen mit flammender Mähne, hat er eine Werbeagentur beauftragt. Mirko Holzer will gewinnen. Er meint das ernst.

„Todernst“, sagt er.

Michael Hosse auch. Er ist vielleicht Holzers größter Konkurrent, er ist der Titelverteidiger, er hat die erste Burning Fish Rallye im vergangenen Jahr gewonnen. Sachte streichelt der 64-jährige Gentleman die neue Bereifung seines Siegerfahrzeuges, eines elfenbeinfarbenen Homark Criterion, Baujahr 1928. Ein Dandy ist Hosse, ein stolzer Herr mit spitzen Stiefeletten, goldenen Manschettenknöpfen und Cordjacket. Gezeugt wurde er in diesem Lieferwagen, und im Oktober 1945 darin auch abgenabelt, auf dem Weg zum Krankenhaus. So die Familiengeschichte. Jahrzehntelang verfiel das Auto, diente als Hühnerstall - dann ließ der Textilfabrikant seinen Oldtimer restaurieren. Unter der Motorhaube ist seitdem ein 2.0 Liter Motor mit über 100 PS versteckt. Zufrieden rückt er sich sein Einstecktuch zurecht. Für Oldtimertreffen sei der Car so nicht geeignet, sagt Hosse, dafür aber für die Autobahn. Und für die Rallye. Ein echter Trip sei das gewesen. Sein Egotrip.

Kleine Abenteuer für Unternehmer

Natürlich ist Hosses rollendes Kindbett deutlich langsamer als Holzers Carrera. Aber das ist egal. Bei Burning Fish gehe es nicht um Speed, „wir sind ein Roadtrip für den ambitionierten, verantwortungsbewussten Unternehmer von heute“, sagt Fritz Hortig von der Zürcher Veranstaltungsagentur Fischersfritz. Klar, es sei ein Wettbewerb, der Hauptgewinn ist die kostenlose Teilnahme beim nächsten Trip. Aber d eher als ein Wettrennen, ist das ganze ein Spiel bei dem die Teilnehmer verschiedene Aufgaben auf der Strecke lösen müssen.
Kleine Abenteuer für gestresste Unternehmer: Fallschirmspringen, die kreativste Flaschenpost von der Fähre werfen, Fahrerleistung. All das wird bewertet. „Wir gehen sicher, dass den Teilnehmern der Absprung aus dem Arbeitsalltag gelingt“, sagt Hortig. Mit diesem Konzept knüpft man an die Ursprünge der Rallye-Idee an, als Anfang des 20. Jahrhunderts betuchte Automobilisten von Stadt zu Stadt fuhren, ihre vom Pferd befreiten Kutschen staunenden Augen vorführten und sich zum Picknick trafen.

„Aktives Abschalten - das ist das wahre Ziel von Burning Fish“, sagt Hortig. So wie er es selbst erlebt hat, Ende 2007 in der tunesischen Wüste. Der 28-Jährige mit der blonden Surferfrisur und dem Dreitagebart besuchte damals seinen Studienkumpel Alex Fischer, der in Tunesien lebte. Von dort aus fuhren die beiden los, Richtung Douz, glitten sie in die Wüste. „Es war wunderbar wie sich die Landschaft veränderte, der Sand immer feiner wurde. Wir haben nur geschwiegen und genossen.“ Mitten in der Sahara feierten die beiden Silvester. Neben dem Feuer mit einer Handvoll Couscous, ein paar Datteln, einer Flasche Jack Daniels. „Dieses gemeinsame Erlebnis hat uns stark geprägt“ erinnert sich Alex Fischer. „Wir wussten, dass wir dieses Gefühl, das intensive Naturerlebnis, die Ruhe, das zu-sich-Kommen weitergeben wollten. Burning Fish war geboren“



Also entwickelten die beiden das Rallye-Konzept für „Menschen, die den Schritt aus der eigenen Comfort Zone wagen“, sagt Hortig. Leute denen Fünf-Sterne-Hotels allein nicht genügen. Die Erlebnisse wollen, die man normalerweise nicht einfach kaufen kann. Das Maximum. Träume ausleben. Beyond Money – so ihr Credo.

Glänzende SUVs, Charity

Die ersten Burning Fish Teilnehmer kontaktierten Hortig und Fischer persönlich. Man rekrutierte über den Bekanntenkreis, traf sich zu Gesprächen, damit man genau die Klientel dabei hatte, die man wollte. Etwas später veranstaltete man einen Abend im Zürcher Luxushotel Dolder, dekorierte den Eingang mit weissen Rosen, Ferraris - und Kamelen. Dort lernte man Hosse kennen. Die Teilnehmer, das sei schon Society, lächelt der Titelverteidiger, eine Zusammenkunft gleichgesinnter Individualisten, abenteuerfreudiger Unternehmer. Gestartet wurde im vergangenen Jahr am Opernhaus Zürich. In voller Pracht präsentierten sich dort glänzende SUVs, ein MG TC Nachbau, Porsches, ein Volvo 544. „Kraftprotze und schöne Autos“, erinnert sich Hosse, der Seidenspezialist.

Zur Burning Fish Rallye bringt jedes Team sein eigenes Fahrzeug. Angetreten werden kann mit mindestens zwei Leuten: Fahrer und Beifahrer, je Kopf fallen 8000 Franken Startgeld an. Was Rallyelogistik, Hotels, Vollpension sowie sämtliche Side Events umfasse, schreiben die Veranstalter. Die Sponsoring Einnahmen aus den Werbungen auf den Fahrzeugen spenden die Veranstalter dem Kinderspital Zürich. Auch bezüglich Charity ist Fischersfritz eine ambitionierte Agentur. Letztes Jahr waren es 12.000 Franken, Hortig ist gespannt ob man dieses Mal 50.000 zusammenkriegen wird. Die Teilnehmer hätten zudem Freude daran, für einen guten Zweck unterwegs zu sein, meint Alex Fischer.

Ersatzfahrzeuge, Paläste

Gleich zu Beginn der Tour, auf den alpinen Strassen brennt ein Motor, laufen Bremsen heiß. Der MG fällt am Comer See aus, das Fahrerteam lässt sich einen BMW X5 kommen. „Nur mein Homark schnurrte wie ein Kätzchen“, erzählt Hosse. Kurz vor dem Übersetzen, im Hinterland von San Marino wird in einem Schloss übernachtet, einen Tag später: Fallschirmspringen mit dem Weltmeisterteam im Kürspringen, dann Pokern während der 22 Stunden Fahrt mit der Fähre nach Tunesien. „Eine Gelegenheit sich etwas kennenzulernen“, sagt Hosse. In Tunesien checken die Teilnehmer im Fünf-Sterne-Hotel The Residence ein, das livrierte Personal steht Spalier. „Wir sind bewirtet worden wie Könige. Ich konnte mich am nächsten Morgen kaum trennen von meiner Suite“, sagt Hosse, „allein das Bad muss an die 60 Quadratmeter gehabt haben. Ich habe ja schon viel gesehen, aber was für ein Palast!“

Hosse startet früh, er weiß, sein Auto ist langsam. Er fährt durch den mediterranen Norden Tunesiens, der ihn an die Toskana erinnert, die Landschaft wird zusehends karger und steiniger, „ein langsames Abtauchen in die Wüste“, das Land wird flacher. Hosse saust an winkenden Kindern vorbei, an Ziegenherden, an Häuserwänden an denen sich das feilgebotene Gemüse fast bis zum Dach stapelt. Die Steine werden zu Sand, die Sahara kommt. Kurz vorher eine Tankstelle: „Da war das Benzin war in Kanistern abgefüllt. In der Gluthitze standen die Dinger reihenweise vor einer brüchigen Hütte. Nur eine Zigarette ...“.

Zusammen in den Dünen

Kaum in der Oase Douz, dem Tor zur Sahara, angekommen werden Dromedare und Pferde beladen und die Wüste geentert. Als es Nacht wird, stoßen Beduinen dazu und bereiten ein Lamm am offenen Feuer. Gemeinsam wird die Sahara zelebriert. Das Feuer knistert. Und es wird genetzwerkt. Hosse erzählt von Businessplänen am Lagerfeuer, Immobiliendeals zwischen den Teilnehmern, gemeinsamen Konzepten: „Jeder Unternehmer muss andere ins Unternehmertum reinreden. Das muss so sein. Aber irgendwie sind wir auch alle Spinner. Als ich losgefahren bin, da haben alle noch mächtig imponieren wollen.“ Nach zwei, drei Tagen ohne Assistenten und Vorzimmerdame, wenn man merke, dass alle mit gleichen Problemen kämpfen, die Anderen auf Augenhöhe seien, da öffne man sich. „Manche Unternehmer stehen zwanzig Jahre lang mit dem Rücken zur Wand. Jeden Tag. Da konnten wir auch mal drüber reden während dem Roadtrip.“

salzsee

Die nächste Etappe heißt Touzeur. Ein weiter westlich gelegener Wüstenort mit etwa 30.000 Einwohnern, weltberühmt als Drehort für George Lucas’ Star Wars. Hosse durchquert den Chott el Djerid, den riesigen Salzsee. Ganz weiss und flach ist es, die Hitze flimmert, am Horizont die Umrisse von Bergen.

Federungen, Bolzen, Holzer ist raus

Dann die finale Etappe: Ein Rennen durch die Dünenlandschaft, auf Quads mit starken Motoren zu den Filmkulissen die seit Jahrzehnten im Sand warten. „Wir hatten die Düne ganz für uns“, sagt Hosse. Ein Fahrer habe sich die Hände blutig gesteuert, so sei der rumgesprungen mit seinem Quad. Damit sein alter Homark Criterion die Route, die dieses Mal wieder gefahren wird, überlebt, hat er einen ganzen Haufen Geld in neue Federungen, Achsen, Bolzen und Reifen gesteckt. Und er springt jeden Tag Seil. 15 Minuten lang.

Mirko Holzer, der Neuling, bereitet sich auf seine Art vor: Er hat alle Personalentscheidungen ins erste Quartal gelegt. Seine Belegschaft soll fit sein, wenn er weg ist. „Die müssen ohne mich können“, sagt er, und hat sich fest vorgenommen auszuprobieren, ob er ohne Arbeit kann. Mirko Holzer will nicht ans Satellitentelefon gehen, wenn es dann klingelt. Zum ersten Mal ist er raus.

...read Charles report on the rallye for T-Magazine here:http://tmagazine.blogs.nytimes.com/tag/burning-fish-rally/

Sonntag, 21. Februar 2010

rallye

ein roadtrip vom feinsten......für gruner + jahr...

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