zueritipp

Dienstag, 25. August 2009

DJ Reezm, zwei Beauties, drei Whiskeys, glücklich.

(Anlässlich einer Retrospektive des Züritipps, Dez. 2008)
DJ LEXX

Ich hab eigentlich alle Parties des Jahres verpasst. DJ Ata, der vor kurzem die Crowd zum glühen brachte, die Bellevue Boys die zu Jahresbeginn mit einer zum Soundsystem umgebauten rollenden Mülltonne das Bellevue zum illegalen Club machten und auch das Hausfest der Schöneggstrasse. Auf drei Floors ravten Hunderte. Nur ich nicht. Dann aber hat DJ Lexx mein Clubjahr gerettet. Ich traf ihn als er auf einer Rundfunk.fm Hausparty auflegte, er schleppte mich weiter in die Zukunft und der stinknormale Dosci Donnerstag wurde zu meiner Party des Jahres. DJ Reezms perfektes Discoset; zwei bildhübsche Girls; drei Whiskeys und lauter Freunde um mich rum – Ich glaube, ich bin heimgeschwebt. Ich weiss ich war glücklich.

Party: Dosci vom 19.12.2008, DJ Reezm, Club Zukunft

Sonntag, 23. August 2009

Vinyl in Zürich

Switzerlands most Secret Spot for Black Gold

Der Rock on schliesst. Doch diese Stadt bleibt eine schwarze Scheibe. Die sich immer weiter dreht. Das wissen Schallplattensammler aus aller Welt.

von Hannes Grassegger


Platten sind heterogene Güter – und was dem einen gefällt ist dem anderen nichts wert. Deshalb ist an Plattenläden vor allem die Beratung wichtig. Und die Möglichkeit in die Ware reinzuhören. Und die Auswahl, natürlich. Mit dem baldigen Ende eines der besten Plattenladens der Stadt, des Rock On suchen viele Musikkäufer neue Quellen. Die folgende Liste präsentiert Zürichs Vinyllieferanten. Weil ich CDs nicht nutze, sind nur Plattenläden aufgeführt die Vinyl führen.

Hier die Maps der Züritipp-Version: http://www.zueritipp.ch/story/stadtleben/zuerich-ist-eine-scheibe/

Rock On

Noch bis 17.Oktober 2009: An diesem erstklassigen Kultort treffen sich Vinylanbeter aller Altersklassen. Pop-Musik der letzten 50 Jahre inkl. der auf Schallplatte erhältlichen Neuerscheinungen bieten Inhaber Ruedi Fehlmann und Mitarbeiterin Corina ihrem Publikum. Oben Neuheiten, seltene Spezialeditionen, auch CDs, unten ältere Ware. Nicht so interessant für Hiphop Fans, sehr interessant für Wave, Rock und Indieliebhaber. Leider bietet sich lediglich ein vom Personal bedienter Plattenspieler zum Vorhören. Dafür gibt's auch keine Kratzer im Vinyl und vor allem günstige Preise für ältere Erscheinungen. Die Ausverkaufsaktion: 2 5 % Rabatt auf alle NEWS , Heavy Vinyl LPs, Box Sets, bereits reduzierte Aktionen; 5 0 % Rabatt auf alles andere. Japanerfaktor 5.

Ottenweg 35 (beim Kreuzplatz), Tel. 044 251 05 15

recrec Laden

Ebenfalls seit 1979 geführt vom kenntnisreichen und eigensinnigen Lockenkopf Veit F. Stauffer, Sohn einer Künstlerfamilie. Der begeisterte Newsletter Verfasser schreibt er führe grenzüberschreitende (Rock-) Musik aus verschiedenen Ländern, Avantgarde, Jazz, Moderne Klassik und Minimal, Pop, World Music und Electronica. Für jeden und jede gibt es hier gute Beratung und das Spezielle. Hier findet sich Neues zu fairen Preisen und vor allem die feinselektierteste 80er Secondhand Vinyl Ecke zu Einheitspreisen. Auch CDs. Zwei Hörstationen. Japanerfaktor 3.

Rotwandstrasse 64, Tel. ++ 41 (0)44 291 46 60, www.recrec-shop.ch


Bikini

Neben der Kaserne, beim Restaurant Italia hütet man im Keller des „Bikini“, der oberirdisch unter anderem Möbel anbietet, den vielleicht geheimsten, grössten und gepflegtesten 50s, 60s und 70s Vinylschatz Zürichs. Ca. 10.000 Platten, darunter auch teure Raritäten.

Zeughausstrasse 55, 8004 Zürich, Tel 044 242 28 50‎

Jamarico

JAMARICO


1979 u.a. von Viktor Baenziger (El Lokal Betreiber) als Reggae Import gegründet. Mittlerweile nur noch eine Musikfiliale mit fast ausschliesslich Neuware. Spezialisiert auf Indie, Singer-Songwriter und Rock. Mit einem respektablen Elektro und Hiphop Angebot und vielen Hörstationen. Etwa 10.000 Platten im Stock. CDs sind auch im Angebot. Gute Beratung der sympathischen, ansprechbaren Crew von Woody, dem Chef. Am Helvetiaplatz zentral gelegen für alle die im Kreis 4 wohnen. Kein Webshop. Jeden Dienstag ab 19.00 Apéro und Abendverkauf.

Stauffacherstrasse 95, 8004 Zürich, 044 241 83 44



Spooky Sound

Zwischen Café Si o No und Bibliothek versteckt. Ein Laden voll Secondhand Kuriositäten. Rock, Funk, Retro. Langspielplatten, Singles etc. Achtung Öffnungszeiten: Do-Fr 13-19 / Sa 12-16,

Zweierstrasse 56 8004, Zürich

Katalog Record Warehouse

In Berlin sprechen Kenner ehrfürchtig von der Zürcher „Plattenhalle“. Vinyljäger kamen aus ganz Europa um sich in Zürichs seltsamsten Geheimtipp im ehemaligen Disco Markt zwischen Central und ETH durch die etwa 50.000 nur grob sortierten Rock, Pop, Disco, World, Jazz, Metal u. a. Kuriositäten (Grossteil Neuware!) zum Einheitspreis von 5 Fr. zu wühlen. Vorhören geht nicht. Schatz gehoben oder Schrott gekauft? Einkaufen im Katalog ist Glücksspiel. Tipp: Rockklassiker für günstig kaufen, interessantes Unbekanntes notieren und im Netz recherchieren. Auch CDs. Übrigens: hier wird angekauft. Japanerfaktor 4.

Weinbergstrasse 31, CH-8006 Zürich‎ - 043 268 01 12, früher Discomarkt,

Hum Records und Tapioka

Oberirdisch bieten die Produzenten und DJs Michel und Olli aka J. Sayne und Reezm, zusammen Hum Records, eine riesige Auswahl an Hiphop Neuware und Secondhand Raritäten. Funk- u. Discoscheiben sowie Mixtapes, Bücher, T-Shirts runden das Angebot im Black Music Tempel ab. Im Keller heisst’s Tapioka und Patrik bietet Jazz, Funk, Soul, Latin, Afro, Library, Exotica. Rock ist nicht sein Spezialgebiet, hier winken Schnäppchen. Guter gemeinsamer Webshop: http://www.humrecords.ch/

Ankerstr. 11, Tel. 043 322 02 04,

Crazy Beat

Inhaberin Marion bietet Kennerinnen und Kennern von aktuellem Hiphop, R n B, Elektropop und aller damit verwandeten Spielarten ein angenehmes und informatives Zuhause.

Badenerstrasse 79, 8004 Zürich, 044 241 10 17‎

Zerozero

Zero Zero Bäckerstrasse

Die Filiale im Kreis 4 bietet wahrscheinlich die grösste und bestsortierteste Vinyl-Auswahl an Neu- und Secondhandware in der Stadt. Neben der fast kompletten Diskographie der Rockgeschichte sind die Schwerpunkte Reggae, bis vor kurzem Hiphop, und laut Inhaber Hänsel jetzt auch wieder mehr Rock und Indie. Donnerstags arbeitet hier der international bekannte Produzent DJ Lexx, dessen Disko, Cosmic, Hiphop und Krautrockkenntnisse verblüffen. CDs v.a. in den anderen Filialen. Japanerfaktor 4.

Bäckerstrasse 54, 8004 Zürich, , +41 44 241 85 20, www.zerozero.ch

Dimension’s

Der kommunikative ehemalige Betreiber von Radio Tropic bietet die Reste seiner Weltmusikschätze auf Vinyl (und CD). Mehr als nur Zouk und Bachata. Raritäten aus Haiti, Ghana, Kuba, Libanon, Mexiko u. a. Im Neuzustand!

Limmatstrasse 31, CH-8005 Zürich‎, 044 2713222

16tons

Bekannt geworden als Quelle für Reggaesingles – in Wahrheit Paradies für Soul-, Afro-und Reggaeliebhaber. Gut beraten von den Geschäftsführern Anne und Buzz, eröffnet sich Kundinnen und Kunden aber auch eine stilsichere und zeitgemässe Vinylauswahl an Secondhand und Nachpressungen von Punk, Krautrock, Klassikern. Zudem Rockneuerscheinungen. Die Liebe zu Vinyl ist auch erkennbar an der wechselnden, stets einem Konzept folgenden Coverauswahl im Schaufenster. Hier gibt’s auch Kleidung.

Anwandstrasse 25, 8004 Zürich, 044 242 02 03

Sonic Records

Vinyl, CDs, DVDs, Musikbücher: Gelernter Buchhändler und stadtbekannter Soul-DJ Klemens Wempe setzt auf strenge Auswahl und unaufdringliche Beratung. Sein feiner Laden bietet v.a. Hiphop, aber auch Elektronik, Reggae und versteckt: gute Second Hand Indieware. Neu oder gebraucht. Zwei gute Plattenstationen zum genussvollen Vorhören. Den humorvollen zwei Meter Mann einfach ansprechen.

www.sonicrecords.ch, Anwandstrasse 30, 8004 Zürich, Tel. 044 242 47 80, immer per Mail erreichbar

Panthera

Versteckt hinter dem American Apparel Store in der Josefsstrasse: 25 Jahre elektronische Clubmusic Erfahrung und ganz viele Maxis. Techhouse, Elektro, Techno, Classic House und ein grosser Backstock an 90s 12’’. Hier fühlen sich auch die bkeannten Clubnasen DJ San Marco, Don Ramon, Gogo wohl. Bestellservice im Webshop: www.panthera.ch

Johannesgasse 6, 8005 Zürich shop@pantera.ch

Number One

Trance, House, Techno und Detroit und eine kleine, für Kenner uninteressante Ecke mit neuaufgelegten Rock Klassikern. Hier gibt es auch DJ Zubehör.

www.numberone.ch, Josefstrasse 26, 8005 Zürich, 044 271 11 71

Six Pack

HipHop, Samples, Soul, Funk, Jazz, Neues und Secondhand. Die monatlich wechselnde, äusserst einladende Schaufenstergestaltung mit Grössen der (Hiphop) Musik hält das Versprechen. Dieser Laden garantiert Realness. Zudem nette Wühlkisten, da der Inhaber als Sample Fanatiker breit aufkaufte. Achtung: Dienstag zu!

Badenerstrasse 131, CH-8004 Zürich‎ - 044 240 30 00, www.6pack.ch

Vinyl Pirate

Im Keller des Comic Ladens Analph eine Grotte voll Punk, Wave, Nowave u. a. Gut für lokale Interpreten und kleine Labels. Geführt vom stadtbekannten Punkguru Alain. Neu und Secondhand. Achtung: Nur samstags von 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr,

Strassburgstrasse 10, 8004 Zürich, 044 240 34 44

Reggae Fever

Spezialistenladen und Jamaica Connection. Reggae-, Ragga und Dancehall. Vor allem Neuware. Wöchentlich Vinyl-Singles aus Jamaica. Vorhören möglich. Jah Rastafahri. Easy man.

St. Jakobstrasse 59, CH-8004 Zürich, 01 242 73 13

Blutt Records

Es lohnt sich, hier hin und wieder die günstigen Secondhand Vinyls durchzuwühlen. Kein besonderes Konzept, die Qualität der Scheiben vor dem Kauf checken. Aufgrund der stilistischen Offenheit ein Laden für Zufallsfunde. Auch CDs und DVDs.

Philippe Künzi, Limmatstrasse 125, 8005 Zürich

George Tanner Records

Die Adresse für Country, Blues, Jazz, Rock ´n´Roll, und neuerdings auch Tex Mex und Latin. Im Sous Sol eines gelben Wohnhaus nahe des Letzigrundes. Seit 1983 führt Inhaber George Tanner seine nun gesetztere, auch internationale Kundschaft durch seinen Bestand von über 10.000 Schallplatten. Auch CDs.

Letzigraben 47, 8003 Zürich, 044 400 27 10, http://www.tanner-records.ch

Vibes

Versteckt in einem Hinterhof bietet der frühere Inhaber des Halb Tanz Plattenladens verstreut zwischen seinen Möbelraritäten die Reste seiner exzellenten Sammlung an Avantgarde Rock-, Indie- und Diskoplatten. Vorsicht beim Kauf: Der Chef argumentiert gerne, die herumstehenden Platten seien Teil seiner Privatsammlung.

Badenerstrasse 370 (Hinterhof), 8004 Zürich

Appointment-only Stores:

Zero-Zero-Baden-Appointment-Only

Music Gallery

50s, 60s, 70s. Beat, RnR, Psychedelic, Highschool – Raritäten früherer Jahrzehnte auf Vinyl. Kurt Ernst hat wieder offen. Als Webshop, oder nach telefonischer Vereinbarung in seiner Freizeit.

Am Wasser 143, CH-8049 Zürich, Höngg, nähe Europabrücke, Tel. +41 (0)44 341 32 42, www.musicgallery.ch

DJ Spruzzi

Der aktive DJ und frühere Mitbetreiber des Mono-Records im Niederdorf bietet nach Vereinbarung Zugang zu seinen Archiven an teils raren Platten aus Jazz, Funk, Soul, Brasil, Afro.

Email: spruzzi(())dashaus.ch

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Hardcore, Hirtenflöte. Fucked Up?

FUCKEDUP

Wer hätte gedacht, dass Hardcore eines Tages durch eine Hirtenflöte wiederbelebt wird? Eben jenes Genre welches der Wut ihr neues Zuhause gab, als Anfang der 80er Punk im Bierrausch und Metal im Stadion die Kraft verloren. Kurz, hart, schnell und politisch, das waren die vier Regeln des Hardcore im Stile Black Flags. Anfangs garantierten Sie Kraft, bald Langweile. Fucked Up aus Toronto befreien auf ihrem aktuellen Album den totgeglaubten Stil von allen Grenzen. Mystizismus, Bongos, Frauenchöre sogar Streicher fusionieren sie darin mit harten Gitarren und dem Röhren von Sänger Pink Eyes. Live aber wüten Fucked Up konventioneller. Das erinnert eher an den Aufschrei der auf die Flöteneinlage folgt mit der das aktuelle Fucke Up Album beginnt.

Montag, 25. August 2008

AUS AFRIKAS KLUBS

Das Theater-Spektakel hat eine Partyreihe aus dem Klub Helsinki eingeladen. Geboten wird viermal afrikanischer Pop mit je einem Livegast.

Von Hannes Grassegger

Die Spezies Europäer existiert in Afrika vor allem in zwei Ausprägungen: als Jäger oder Helfer. Doch spricht ein triftiger Grund dagegen, das Mutterland der Menschheit zur Safari oder zum Ausleben von Helfergefühlen zu bereisen. Und dieser Grund heisst Feiern. Ob Stile wie Hiplife aus Ghana oder Kwaito aus Kapstadt tanzbare Clubmusik sind, lässt sich derzeit am Theater-Spektakel überprüfen. Anlässlich des Schwerpunktthemas «Weltsüden» gibt es eine Reihe von vier Konzerten mit Musikern afrikanischer Herkunft, die eben keine gängige Weltmusik produzieren.

Die prekäre Aufgabe, dem Publikum des Theater-Spektakels die heissesten Trends aus den sehr heterogenen afrikanischen Musikwelten zu liefern, übertrug der afrikaerfahrene Festivalleiter Sandro Lunin dem Veranstalterteam von Motherland. Dessen Spezialisten präsentieren seit Anfang 2007 in einer erfolgreichen Partyreihe im Klub Helsinki urbane Musik des modernen Afrika. In Zusammenarbeit mit dem Münchner Label Outhere und der afrikanischen Diaspora sowie auf eigenen Reisen recherchiere man, was in Afrikas quirligen Metropolen gerade angesagt sei, erzählt Simon Grab von Motherland.

Am Theater-Spektakel werden Acts aus Kinshasa, Abidjan, Dar es Salaam und Lagos Stile wie das an Baile Funk und Salsa erinnernde Coupe Decalé oder ein Afrogrime genanntes Gemisch aus Grime und Weltmusik darbieten. Anschliessend legen DJs entsprechende Clubmusik auf. Empfohlen seien der 19-jährige Afrikan Boy aus Lagos und die Abidjanerin Nash. Das feurig über Coupe-Decalé-Rhythmen rappende Riot Girl wird mit ihren Tanzeinlagen allfällig anwesende Grosswildjäger erlegen und die Helfer zum Tanzen bringen.

Mittwoch, 30. Juli 2008

Das Banlieue im House

Mehdi ist ein netter Typ

Sogar Sarkozy sollte da mal zuhören. DJ Mehdi aus Paris versöhnt in seinem ganz eigenen French House das Banlieue mit dem Pariser Hi-Life.

von Hannes Grassegger

Noch tanzt alles den Ed Banger. Seit Mitte 2006 füllt eine zweite Generation French-Houser weltweit die Tanzflächen. Dahinter steht meist das Pariser Label Ed Banger. Manche Acts wie Justice und Uffie wurden zwar in kürzester Zeit zu Popsternchen, doch der Ruf der Banger zeigt Abnützungserscheinungen. Zu verwechselbar und einseitig sind die Releases, immer gleich Sound und Struktur. Nur das erste Signing Ed Bangers leuchtet weiter zwischen all den Sternschnuppen.
DJ Mehdi war davor und wird auch danach noch sein. Der 30-jährige hat Wurzeln im Asphalt der Pariser Strassen, Platinerfolge hinter sich und zu Ed Banger kam er nicht um endlich zur Szene zu gehören, sondern um gut zu feiern. Denn das macht ihn glücklich.

Anschwellende Gitarrensamples, donnernd gedoppelte Basskicks, kristallenes Sirren über pathetischen Streicherbögen, DJ Mehdi schreit es, nein er bombt es auf allen Frequenzen und mit allen tausend Filtern und Kompressoren die man im French House so benutzt: I’m a Lucky Boy. Ein glücklicher Junge guter Eltern, wie er in jedem Interview wiederholt. So nannte er seinen im Frühjahr 2007 erschienen Longplayer: Lucky Boy.
Betrachtet man das Artwork, liest man zwei Seiten Danksagungen. Neben Mehdis Eltern und Ehefrau Fafi, der Schwester Uffies sowie Labelboss Pedro Winter, findet man Dutzende alter Hiphopfreunde die er auf seinem langen Weg vom Pariser Banlieue zu den Partytempeln der Metropolen gewann.

Mit der bürgerlichen Vergangenheit seiner Labelkollegen hat Mehdi Favéris-Essadi nichts gemein. Wo er herkomme, sei nicht viel mit Wein und Luxus, meint er angesprochen auf seine Herkunft. 1977 geboren im nordwestlich gelegenen, industriell geprägten Pariser Vorort Gennevilliers, begann Favéris-Essadi Mitte der Neunziger als DJ und Produzent der Hiphopper von Different Teep und später Mafia K’1 Fry. Im Hiphop sammelte er Erfolg und Geld, doch versank die französische Rapszene ab dem Ende des Jahrzehnts in düsterer Stagnation. Gefangen zwischen traurigen Melodien und bitteren Reimen fand der tunesischstämmige DJ wenig Freude.

Statt Frust in Hymnen über Stress im Getto abzubauen, sah er sich in tanzbaren Gefilden um. 1999 veröffentlichte er auf dem Label Espionnage unter dem Pseudonym The Cambridge Circus die Maxi „Wild Style“, mit der er seine Vision von Hiphop und French House Party präsentierte. Diese Fusion von Elektrobeats, melancholischen Samples, welche typisch für französischen Hiphop sind und pushenden Filterhouse Elementen mit an- und abschwellenden, funkig synkopierten Basslines sind seit jeher das Markenzeichen Mehdis. Seine Musik vereint die bourgeoise Pariser Partywelt mit der dunklen Sehnsucht der Banlieue. Daran biss sich Sarkozy bisher die Zähne aus. Bei DJ Mehdi aber wird es zur Party.

Donnerstag, 17. Juli 2008

Schmeissfliegen Sex Funk

Blowfly and his Jello Biafra Label Band

Blowfly, die „Schmeissfliege“, war der Name, den Clarence Reid von seiner Grossmutter bekam, als sie den Teenager erwischte wie er mal wieder „Shitting on the Dock of the Bay“ sang.
Im Miami der sechziger Jahren etablierte sich der 1946 geborene Reid bald als Songwriter, schrieb Funk- und Soulnummern, die es mitunter in die Charts schafften, und zeigte sich als braver Christ abstinent und rauchfrei.
Des Nachts aber nannte er sich Blowfly und rappte im Superhelden Glitzerkostüm lustige Sex-Bars wie 20 Jahre später 2 Live Crew oder Kool Keith. In Zürich, wo man sich gar an der Streetparade verkleidet um sich gehen zu lassen, lässt Blowfly im Konzert die Maske fallen und auch Clarence Reid auftreten. Weltpremiere. (hsg)

http://www.blowflymusic.com/
http://www.zueritipp.ch/dyn/musik/index.html?eid=312464&aid=911848

Donnerstag, 29. Mai 2008

MGMT Marketing Mix: Psychedelische Froehlichkeit

mgmt

„Richtiges Management ist für jeden Menschen erfolgsentscheidend, was immer er oder sie unter Erfolg versteht.“ schrieb 2006 der weltweit renommierte Führungsspezialist Edmund Malik. The Management, kurz MGMT, arbeiten mit einer Supertramp-Strategie aus Mitsingpop, Psychedeliceffekten und Boygroupappeal. 2008 lancierten MGMT - Firmensitz New York- ihr erstes Lifestyle-Produkt „Oracular Spectacular“ im Radio und bei Letterman. Goldwasser und Vanwyngarden, zwei Studienfreunde, schöpfen Synergien aus Surferspirit und Cyberkultur und sprechen jugendliche Hörer von Elektropop und Weird-Folk an. Zweifel an der Performance zerstreut das fünfköpfige Management-Liveteam u. a. mit dem fröhlichem Hit „Time to Pretend“. (hsg)

Montag, 19. Mai 2008

saubere sache

jimmy-edgar

Aus den musikalischen Bruchstücken seiner schmutzigen Heimatstadt Detroit formt Jimmy Edgar einen supersauberen Discosound, der schwer zu beschreiben, aber leichtfüssig und tanzbar ist.

Jimmy Edgar ist ein sauberer Typ aus einer schmutzigen Stadt. Einer Stadt voll Industriebrachen und leerstehenden Gebäuden, die sich immer mehr aufzulösen droht. Detroit, in das er 1983 hineingeboren wurde, sei ein «unentschiedener Ort», sagt Edgar, eine Stadt ohne richtiges Zentrum; Motorcity schon deshalb, weil man ständig im Auto zwischen den verschiedensten Plätzen unterwegs sei.

Ähnlich verstreut liegen auch seine musikalischen Pole der Motorcity. Detroit ist Heimat von Soul Labels wie Motown, Techno-Grössen wieKevin Saunderson und Juan Atkins oder des einflussreichen Hiphop-Produzenten Jay Dee.

Edgars Werdegang als Produzent elektronischer Musik gleicht einer Tour durch alle Winkel dieses postindustriellen Patchworks. Sein Sound sei Techno oder Minimal, schreiben die einen, andere sprechen von Old School Electro und Hiphop. Doch auch Jazz und R ’n’ B prägen Jimmy Edgars knapp ein Dutzend verschiedene Projekte.

Ähnlich unentschieden wie die Diskussion um Edgars Stilrichtung blieb auch seine labelmässige Verortung. Zuerst veröffentlichte er auf dem Hamburger Poker-Flat-Label, dann auf Isophlux, Miami. 2002 wechselte er zum experimentellenHiphop- und Post-IDM-Label M3rck, 2004 brachte er auf Warp eine EP heraus, auf welche zwei Jahre später sein Longplayer «Color Strip» folgte.

Edgar ist alles auf einmal, nebenher oder nacheinander. Er begann als Schlagzeuger, experimentierte mit alten Tapedecks, spielt Saxofon und erweist sich immer mehr als exzellenter Keyboarder. Darüber hinaus arbeitet er als Fotograf und Modedesigner. In seinem früheren Haus an der 8 Mile Street soll Edgar vier Schlafzimmer besessen haben.

motorcity

Doch Schlaf ist das letzte, das einem bei den superklaren, kühl-funkigen Discoklängen seiner neuesten, dieses Jahr unter dem Projektnamen Her Bad Habit erschienen EP in den Sinn kommt. Eher schon eine Fahrt im perfekt klimatisierten, zügig durch die Strassen Detroits rollenden «Knight-Rider»-Pontiac. Tatsächlich: Edgar ist auf dem Weg zu seinem schönen neuen House. Den produziert er mittlerweile in New York, wo er nun den Sound von Metro Area und Les Rhythmes Digitales, Dabrye und Egyptian Lover aus jener ästhetischen Distanz heraus vereint, die so typisch ist für alles, was der Modefanatiker bisher schuf. Zu dem, was der saubere Jimmy Edgar aus den Bruchstücken seiner schmutzigen Heimat formt, kann man in der Zukunft hier zu Lande erstmals tanzen.

http://www.zueritipp.ch/dyn/nightlife/index.html?eid=303854&aid=870100

Freitag, 9. Mai 2008

Finden, Ordnen und ein Ereignis draus machen.

Sissikontest

Eine Pfeife ist keine Pfeife sondern ein funky Drumstick behaupten die drei Musiker der Zürcher Band Sissikontest, wenn sie mit gefundenen und gebastelten Klangmaschinchen den elektronischen Popkosmos auffüllen. Ihr Tonmaterial wird live im Computer moduliert, dann von Marco Crosinas Gitarre attackiert und somit erläutert jeder Track die These der am Samstag endenden Gruppenausstellung Kristallisation, in der Michael Blättler (selber Teil von Sissikontest), Joelle Flumet und Reto Pulfer ihre Arten der Zweckentfremdung und Neuverordnung vorgefundener Materialien zeigten: Nicht die tumbe Materialität des Ereignisses hat Bedeutung, allein der vom Künstler geschaffene Kontext des Materials ist Geburtshelfer der Interpretation. Mancher pfeift drauf und kommt zum Tanzen. (hsg)

Sa 10.5, 20h Finissage und 21h Konzert, Galerie White Space, Militärstr. 76, 8004 Zürich

Mittwoch, 30. April 2008

Seine Feinde nennen ihn Joe

main man for every leftwinger

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz, ehemaliger Chefökonom Bill Clintons, gefeuerter Vizepräsident der Weltbank und Autor kritischer Werke zur Globalisierung, liest im Kaufleuten.

Von Hannes Grassegger

Joseph Stiglitz kennt die Räume, in denen aus Ideen Realitäten geschmiedet werden. Er bestimmte seit 1993 die Wirtschaftspolitik Clintons und ab 1997 die der Weltbank. Sein ökonomischer Rat entfaltete existenzielle Konsequenzen für Menschen, die seinen Namen nie gehört hatten und auf der anderen Seite des Erdballs lebten.

Stiglitz war Vizepräsident der Weltbank, als sich in Seattle 1999 die Stimme des Protestes gegen den vermeintlichen Wirtschaftsliberalismus lautstark erhob, und er sah seine Zweifel an der «ökonomisch unklugen Politik» des IWF bestätigt, die «einseitig den Interessen der Kapitalgeber diene». Im Jahre 2000 war er politisch nicht mehr tragbar. Er hatte den Internationalen Währungsfonds und damit indirekt die Weltbank öffentlich wiederholt schwer kritisiert. Die Ära Clinton war vorbei und Stiglitz musste dem Druck von ganz oben weichen. Er war auf der falschen Seite.

Die politische Welt der Ökonomen zerfällt in zwei Lager. Die Diskussion über den Sozialismus ist eingeschlafen, gestritten wird über die Rolle des Staates. Während die Marktliberalen aus Effizienzgründen für die Utopie einer Welt (fast) ohne Staat kämpfen, vertritt Stiglitz die Gegenseite und plädiert für staatliche Marktsteuerung. Exemplarisch dafür stehen zwei Buchtitel zur Globalisierungsdebatte, dem offenen Schlachtfeld dieses Streits. So erschien 2004 das umjubelte Werk «Why Globalization Works» des wirtschaftsliberalen Chefökonomen der «Financial Times», Martin Wolf; 2006 konterte der 36fache Ehrendoktor Stiglitz mit seinem aktuellen Werk «Making Globalization Work» («Die Chancen der Globalisierung», Siedler-Verlag).

Der Nobelpreisträger von 2001, heute Professor an der Columbia University in Manhattan, hat bereits vor Jahrzehnten die Möglichkeit eines Marktversagens theoretisch bewiesen. Basierend auf der Annahme ungleich verteilter Informationen widerlegte er theoretische Ergebnisse, die lange dazu benutzt wurden, unter anderem die «Interessenpolitik des IWF» zu legitimieren.

Der 1943 in der Stahlstadt Gary, Indiana, geborene, demokratisch geprägte Jude Joseph E. Stiglitz hat eine politische Mission. Zwar befürwortet er den Globalisierungsprozess als wohlfahrtsförderlich, doch weist er zugleich auf die Gefährdung des Gesamtprozesses hin, sollten die Verlierer der Veränderungen von den Gewinnern nicht ausreichend entschädigt werden. Diese Umverteilung benötige staatliche Eingriffe. Stiglitz erkennt bis heute nicht an, dass der freie Markt die Probleme der Globalisierung alleine lösen kann. Kenneth Rogoff, Direktor der Forschungsabteilung des IWF, erklärte «Joe» deswegen bei einem öffentlichen Shootout in der Weltbank im Jahre 2004 für geistig krank. Doch sowohl die in die Millionen gehenden Verkaufszahlen seiner Bücher wie auch der Umstand, dass er für seine Kritik geschasst wurde, haben den renitenten Forscher in seinem Anliegen nur noch mehr bestärkt.

In Zürich wird Joseph E. Stiglitz sein neues Buch präsentieren: die Konzepte eines der einflussreichsten lebenden Ökonomen, verständlich erklärt und gut gedacht, wenn auch bisweilen ein bisschen rechthaberisch. Reservation dringend empfohlen

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