Last.fm statt DRS3
DRS3 feiert 25. Geburtstag und ich geh sicher nicht hin. Mein Programm find ich auf last.fm. Nebenbei werd ich sogar zum Radiomacher.
Das letzte Mal begeistert war ich von öffentlichem Hörfunk vor 25 Jahren, etwa dann als DRS gegründet wurde. Ich war drei und hatte ein Lieblingslied: We Fade to Grey von Visage. Immer wartete ich auf meinen Song und entdeckte Musik die mir gefiel. Auch die Moderatoren fand ich klasse, besonders Überraschungsanrufe. Ich kopierte das Konzept, und begann wildfremde Leute anzurufen. Das ganze zeichnete ich auf Kassette auf und machte selber Radio.
Mit ausgeprägterem Geschmack begannen die Probleme mit dem Radio. Es bot wenig neues, dafür musste man den Brei aus Charts und Tophits aller Jahrzehnte ertragen. Die Informationsfunktion war verloren. Ich wechselte auf MTV und VIVA2. Dann stellte ich ganz ab. 1999 arbeitete ich häufig als DJ und versuchte selber Sendungen zu produzieren. Nach drei Airplays gab ich auf. Die Einsamkeit im Studio war ernüchternd. Ob jemand sich für meine Programm interessierte bekam ich nicht mit. Mein Interesse für Musik aber blieb.
2005 bemerkte Doma Smoljo, Medienkünstler der Gruppe Bitnik!, mein stetes Suchen nach Musik und zeigte mir last.fm. Eine Webseite, auf der man Interpreten in ein Feld eingeben kann und dann läuft ähnliche Musik; Titel werden angezeigt. Zudem kann man sich einen Account einrichten, der speichert und anzeigt was man auf dem Computer hört. Nach und nach entstehen persönliche Charts. Abhängig von der Ähnlichkeit des Musikkonsums werden Nachbarn zugeordnet, deren Seiten man anklicken kann um sich über neue Musik zu informieren. Wenn mir ein Lied besonders gut gefällt, kann ich es „lieben“ und in eine Playlist aufnehmen. Dadurch entsteht eine eigene Radiostation, auf die sogar manche meiner realen Freunde und virtuellen Nachbarn zugreifen. Die Hörer hören einander zu und lernen dabei, Informationen fliessen in beide Richtungen - das geht nicht beim Hörfunk. Wenn ich also gute Musik hören will, schalte ich last.fm ein. Auf Moderation kann ich verzichten. Auf DRS3 auch. Damit mir keine Gebührenjäger ins Haus kommen habe ich mein Radio entsorgt.
http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/story/23211255
Das letzte Mal begeistert war ich von öffentlichem Hörfunk vor 25 Jahren, etwa dann als DRS gegründet wurde. Ich war drei und hatte ein Lieblingslied: We Fade to Grey von Visage. Immer wartete ich auf meinen Song und entdeckte Musik die mir gefiel. Auch die Moderatoren fand ich klasse, besonders Überraschungsanrufe. Ich kopierte das Konzept, und begann wildfremde Leute anzurufen. Das ganze zeichnete ich auf Kassette auf und machte selber Radio.
Mit ausgeprägterem Geschmack begannen die Probleme mit dem Radio. Es bot wenig neues, dafür musste man den Brei aus Charts und Tophits aller Jahrzehnte ertragen. Die Informationsfunktion war verloren. Ich wechselte auf MTV und VIVA2. Dann stellte ich ganz ab. 1999 arbeitete ich häufig als DJ und versuchte selber Sendungen zu produzieren. Nach drei Airplays gab ich auf. Die Einsamkeit im Studio war ernüchternd. Ob jemand sich für meine Programm interessierte bekam ich nicht mit. Mein Interesse für Musik aber blieb.
2005 bemerkte Doma Smoljo, Medienkünstler der Gruppe Bitnik!, mein stetes Suchen nach Musik und zeigte mir last.fm. Eine Webseite, auf der man Interpreten in ein Feld eingeben kann und dann läuft ähnliche Musik; Titel werden angezeigt. Zudem kann man sich einen Account einrichten, der speichert und anzeigt was man auf dem Computer hört. Nach und nach entstehen persönliche Charts. Abhängig von der Ähnlichkeit des Musikkonsums werden Nachbarn zugeordnet, deren Seiten man anklicken kann um sich über neue Musik zu informieren. Wenn mir ein Lied besonders gut gefällt, kann ich es „lieben“ und in eine Playlist aufnehmen. Dadurch entsteht eine eigene Radiostation, auf die sogar manche meiner realen Freunde und virtuellen Nachbarn zugreifen. Die Hörer hören einander zu und lernen dabei, Informationen fliessen in beide Richtungen - das geht nicht beim Hörfunk. Wenn ich also gute Musik hören will, schalte ich last.fm ein. Auf Moderation kann ich verzichten. Auf DRS3 auch. Damit mir keine Gebührenjäger ins Haus kommen habe ich mein Radio entsorgt.
http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/story/23211255
hannes1 - 1. Nov, 00:16