Grrrr, Hunger und Zis

Grrrr Painting

Der Maler Grrrr und Rapperin Big Zis haben zum zweiten Mal kooperiert. Und Sophie Hunger singt dazu. Resultat: ein Hit mit einem gemalten Video.

Von Hannes Grassegger

Online beginnt es mit sanften Glockenschlägen und einem aufgeschlagenen Buch. Das neue Big-Zis-Video, die Ankündigung ihres Albums, gezeichnet vom Zürcher Maler Grrrr. Song und Video sind Ergebnis einer Freundschaft zweier sehr verschiedenen Künstler.

2005 schuf der stille und konstante Grrrr, bürgerlich Ingo Giezendanner, das Video «Gib Mer» für die aufmüpfige und sprunghafte Big Zis. Zu sehen war es im Schweizer Fernsehen - und zu finden ist es als Link über dem nun aufgeschalteten Online-Video zum Lied «Biberreis» von Big Zis, katalogisiert als «Arbeit Grrrr38». Monatelang hat der Maler daran gezeichnet, mit Block und Filzstift draussen gesessen und die Umgebung eingefangen. Grrrr, das bedeutet meist detailverliebte Schwarzweisszeichnungen städtischer Soziotope, Strassenecken oder Hauseingänge, frei von Menschen, aber voll von ihren Spuren. Die Bücher, Malereien und animierten Videos des zurückhaltenden Beobachters sind international beliebt. Ob er Zürich oder Karachi zeichnet, stets bietet er intime Porträts der Orte. Vielen Zürchern wurde Grrrr 2004 bekannt durch seine den Umbau des Kunsthauses dokumentierende Wandmalerei am Heimplatz.

Sein neues Video interpretiert einen Text, den seine ehemalige Mitbewohnerin Big Zis ihm zusandte. Giezendanner zeichnet eine Liebesgeschichte, die in den Bergen beginnt und in einem Bett in Zürich endet. Dargestellt ist diese im Entstehungsprozess, ein fortwährendes Zeichnen. Dazu malte der Künstler auf eine Glasplatte, immer gefilmt von einer Kamera zwischen den Knien.

Man könnte das bereits für die Solothurner Filmtage nominierte Video als Kunstwerk sehen oder als Lehrvideo für die Malschule zweckentfremden, wäre da nicht der Song. Der ist zu eingängig, zu mitreissend und in seiner Detailverliebtheit zu stimmig zum visuellen Teil, um nicht zuzuhören.

Big Zis, früher görig-girlige, später eklektisch-experimentelle Mundart- Rapperin, wartet hier mit einer starken, überraschend melancholischen Popnummer auf. Halb gerappt, halb von ihr und Sophie Hunger gesungen, verbindet sie eine sehnsuchtsvolle Liebeserklärung eines Bibers an einen Berg mit elektronischen und pianolastigen Beats der Produzentenbrüder Marton di Katz und Valentino Tomasi.

Die beiden Mitglieder des Rumpelorchesters liefern einen ruhigen und intelligent treibenden Sound zu Big Zis schlüssiger Metaphorik über Distanz und Anziehung. In der kleinen Refrainzeile «Du gahsch ersch vo wiitem uf» beklagen Sängerin Sophie Hunger und Rapperin Big Zis die grosse Schwierigkeit, einen geliebten Menschen aus nächster Nähe in allen Einzelheiten und doch als Ganzes erfassen zu können. «Biberreis» lässt auf ein gutes Album von Big Zis hoffen. Eins, das sowohl im Radio als auch bei näherem Anhören aufgeht.

Video zu Biberreis: http://grrrr.net/bigzis/biberreis.html;

Album von Big Zis ab 30. Januar.2009

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