Mittwoch, 25. Januar 2012

Museen für Sim City

In künstlerischen Umgebungen wollen die Vordenker der Partei eine Creative Class heranziehen. Um das Industrieland China in die Innovationsgesellschaft zu führen.

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Für das Du Magazin von Hannes Grassegger, Shanghai

...Vom Dach aus kann man sehen, wie sich die Container-Schiffe auf dem breiten Huangpu Fluss drängen, Zeichen des unbändigen Aufstiegs Chinas. Es ist der 1.11.2011 und während Europa in Rezessionsängsten versinkt, glaubt man sich in Chinas Wirtschaftsmetropole Shanghai auf dem Weg in eine goldene Zukunft. Champagner fliesst, Kameras klicken, Presse aus China und dem Rest der Welt ist geladen.

Um 10.23 Uhr fetzen Gitarrenriffs durch den zweiten Stock des Swatch Art Peace Hotels, „I bet you look good on the dancefloor“ bellen die „Arctic Monkeys“. Ungerührt verfolgen die in dunklen Business-Anzügen angetretenen chinesischen Delegationen mit etwa 30 Offiziellen Krawattenträgern den Promoclip, der die Eröffnungszeremonie einleitet..

...im Minsheng Museum blickt Zhou Tiehai sich noch einmal nervös um. „Man muss den Kontext dessen verstehen was wir hier tun. Wir verhandeln gesellschaftliche Fragestellungen.“
..
die Story exklusiv im neuen DU Magazin

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Montag, 16. Januar 2012

Today: Le Révélateur

BLEU NUIT from Sabrina Ratté on Vimeo.

Bleu Nuit is a track from Le Révélateur's LP on Gneiss Things, Fictions

Freitag, 13. Januar 2012

Financial Times Germany

Dale Guild FTD

Mit uralten Maschinen und neuen Geschäftsideen wagen sich wieder Bleisatzdrucker und Schriftgießer auf den Markt

Hannes Grassegger, New York

In Brooklyns Stadtteil Williamsburg sollte eigentlich die Zukunft entstehen. Hier lebt Amerikas kulturelle Vorhut, aus allen Teilen des Landes kommen die jungen Kreativen. Die Promeniermeile Bedford Avenue ist voll individualistischer Mittzwanziger – die doch alle seltsam gleich aussehen. Irgendwie alt. Fast nichts, was die vollbärtigen Jungs in ihren Holzfällerhemden und die Girls in ihren antiken Pendleton-Jacken kaufen, ist wirklich neu: Wiederveröffentlichungen von Büchern, Schallplatten und Turnschuhen.

Nur drei Parallelstraßen weiter liegt eine der Keimzellen des neuen „alten“ Williamsburg: Die Bleisatzdruckerei The Arm. Zuerst waren es Independent-Bands, die hier tagsüber auf Maschinen aus der Cowboyzeit ihre Plattenhüllen druckten und abends in der alten Garage auftraten, heute buchen hier Firmen wie Google und Condé Nast Workshops.

Im hellen Innenraum läuft Jazz, an drei Reihen gusseiserner Pressen arbeiten heute vier Besucher. Grafiker Derrick Holt freut sich über die Möglichkeit, seine Entwürfe mit den eigenen Händen umzusetzen. Neben ihm druckt sich ein Berater Visitenkarten auf schwerem Papier, „handgemacht, da spürt man meinen Namen.“
The Arm ist legendär, Vorläufer eines Revivals alter Drucktechnik. Eine Handvoll solcher Studios existieren in New York. Auch in Deutschland haben die Bleisatzdruckmaschinen wieder Konjunktur, sagt der Berliner Verleger und Akzidenzdrucker Martin Z. Schröder: „Letterpress ist sehr in Mode.“ Handgedrucktes Briefpapier, die Visitenkarte in klassischer Typographie sind keine Accessoires von Nostalgikern oder aus der Zeit gefallenen Sonderlingen mehr.

Hatch Show Print at The Arm

Soeben wird im The Arm eine neue Maschine angeliefert, über hundert Jahre alt. „Alles Neue was Du hier siehst, ist alt“, sagt Inhaber Dan Gardiner Morris, natürlich trägt er Jeans und Holzfällerhemd. Man müsse nur in die Vergangenheit schauen, um bessere Produkte herzustellen.
„Retromania“, nannte ein bekannter Kulturkritiker kürzlich sein Buch über die anhaltende Obsession der westlichen Jugendkultur mit der Vergangenheit. Dahinter steckt aber mehr als eine Mode, sondern ein anderes wirtschaftliches Denken. So wie Anleger in Zeiten unsicherer Börsen auf Gold setzen, sind auch Amerikas gebrannte Bürgerkinder auf der Suche nach sicheren Werten. In der Schule haben sie den Zusammenbruch der New Economy erlebt und auf dem College das Platzen der Immobilienblase. Jetzt brauchen sie etwas zum Festhalten. Oder Neustarten.

„Was macht man, wenn man etwas Wichtiges verloren hat? Man vollzieht seine letzten Schritte nach. Man erkundet die Vergangenheit, um ein Problem der Gegenwart zu lösen. Das ist keine Nostalgie. Das ist Vernunft“, erklärt der Journalist Kurt B. Reighley das Phänomen.
Morris hat es geschafft seine Uralttechnik profitabel zu machen. Der 33-jährige bietet Drucke in Kleinauflagen, vom Plakat zur Einladung; er vermietet Studiozeit und gibt Kurse. Im The Arm kann man lernen, wie man seine Entwürfe mit Bleisatz- oder Holzlettern umsetzt. Das zieht. Sogar der größte amerikanische Designerverband AIGA arbeitet hier.

2009 wagte Morris den nächsten Schritt und kaufte zusammen mit einem Freund die Reste eines Imperiums. Eine Holzhütte voll antiker Maschinen ist einzige Überbleibsel der American Type Foundry (ATF), des riesigen Zusammenschlusses der amerikanischen Schriftgießereien.

The Dale Guild Type Foundry

In der Konsolidierung fast aller verbliebenen Bleigiessereien zu einem Riesenunternehmen, der ATF, hatte Anfang des 20. Jahrhunderts Gutenbergs uraltes Handwerk Zuflucht vor dem Wandel der Zeit gesucht, noch in den 1920er-Jahren unterhielt die ATF sogar eine eigene Softball-Liga. Aber sie war ein sterbender Riese: 1993 schloss der Betrieb, der bis zum Schluss die Titellettern der New York Times gegossen hatte. Der Maschinenpark wurden versteigert – an den letzten ATF-Lehrling Theo Rehak, der damit 1994 unverzagt seine eigene Gießerei gründete: die Dale Guild Type Foundry.

Heute pflegt eine neue Generation den Nachlass. „Mein Job ist seit 125 Jahren obsolet“ sagt Micah Currier, als er das Licht in der Dale Guild anschaltet. Der 29-jährige Enkel eines jüdisch-polnischen Partisanen ist der letzte gelernte voll berufstätige Schriftgießer der USA. Der Einzige, der hier Blei, Zink und Aluminium schmilzt und die 16 Barth-Casting-Maschinen mit den massiven Schrauben und Schläuchen anschmeißt, um Buchstaben zu fertigen. Currier hat einen Auftrag. Er trägt die Verantwortung für den Erhalt einer Tradition.


The Dale Guild Type Foundry

Jahrelang hatte der studierte Englischlehrer versucht, als Lehrling in der Dale Guild aufgenommen zu werden, „sie war mein Mekka.“ Immer hatte Theo Rehak abgewunken. Aber dann bekam die Gale Guild einen Großauftrag und mit Rehaks Gesundheit ging es bergab und plötzlich hatte Currier doch eine Lehrstelle. Und das Angebot, den Betrieb zu kaufen. Kaum mehr als den Schrottwert des einzigartigen Maschinenparks bezahlten Currier und sein New Yorker Freund Morris.

Seither versuchen Rehaks Erben, ein Geschäftsmodell zu finden. Denn obwohl der Hochdruck eine Renaissance erlebt, ist die Bleigießerei fast tot. Neben der Dale Guild gibt es in ganz Europa und den USA nur noch zwei Betriebe. Kommerziell arbeitende Kunden kann Currier an zwei Händen abzählen, der Verkauf an die junge Letterpress Szene bringt wenig. Ob und wie er es schaffen wird, weiß er noch nicht. Er geht auf Messen, bald ist er zum ersten Mal in England.

Hoffen lässt ihn auch der wachsende Markt für Bücher im alten Stil. Anfang November wurde erstmals seit zehn Jahren ein Buch mit neuer Dale Guild-Typographie veröffentlicht. Preis der Schriftsätze für das Buch: mehrere Zehntausend Dollar.

ATF/ Dale Guild Williamsburg Ornaments


Das Geschäft ist hoch riskant: Die Bleipreise schwanken, für die uralten Maschinen fehlen Ersatzteile. „Wenn ich nicht der einzige wäre, würde ich ja eine Gewerkschaft gründen. Ich muss den Gürtel wirklich enger schnallen“, sagt Currier wiegt ein kleines Päckchen mit glitzernden Typenreihen in der Hand. „Ich versuche ein Geschäft aus dem zu machen, was ich liebe.“ Currier zeigt auf eine der Gravurmaschinen. „Das hier ist kein Projekt. Das ist mein Leben.“

Eine Alternative sieht er ohnehin nicht: „Sozialer Aufstieg, das war doch der amerikanische Traum, nicht wahr? Was ich in meinem Leben gesehen habe, war das exakte Gegenteil. Die Mittelklasse stürzt ab. Viele meiner Collegefreunde leben von Hilfsjobs. Ganz wenige verdienen Geld. Fast niemandem geht es gut.“ Er hingegen habe schon von der Lehre enorm profitiert, sie habe ihn erst zum Erwachsenen gemacht. „Rehak wurde wie ein Vater für mich. Jeder meiner Geschäftspartner ist mir wichtig.“ Bei Verhandlungen rede man über Qualität. Geld sei zweitrangig, das Produkt wichtiger als der Profit.

The Dale Guild Type Foundry
Die Dale Guild Macher, Dan, Theo und Micah


Inmitten einer Medienwelt, die unter dem digitalen Wandel ächzt, suchen Betriebe wie die Dale Guild und The Arm nach einer besseren, kleinen Wirtschaftswelt.

Überholte Technik, aber gute Qualität und nachvollziehbare Wertschöpfungsketten: Überall in den USA entstehen Geschäfte, die so unter den Slogans „Local“ und „Made in USA“ um Kunden werben.
Produkte herzustellen die profitabel sind und der Gesellschaft nützen – für Starökonom Michael E. Porter ist das das Management-Leitbild der Zukunft, das Credo seines 2011 erschienenen Buches „Creating Shared Value: Redefining Capitalism and the Role of the Corporation in Society“. Gehört haben davon wohl die wenigsten vergangenheitsbesessenen Williamsburger Vollbartträger. Aber im Kleinen probieren sie es schon mal aus.

Text im kostenpflichtigen Teil der FTD.

Dienstag, 27. Dezember 2011

Ein Tag im Leben von Lee Scratch Perry



Ich hatte das Vergnügen Mr Lee Scratch Perry in seinem Versteck in der Innerschweiz zu treffen. Erschienen in Das Magazin.


Ein Tag im Leben von

Lee Scratch Perry, 75, Naturmensch
Innerschweiz


Ich wache meist gegen 17 Uhr auf. Dann gehe ich in meinen Raum und der Junge der uns im Haushalt hilft bringt mir meine heisse Schokolade. In meinem Raum habe ich mir meinen Himmel gebaut. Das ist mein Dschungel und mein Löwe. Mein Büro. Hier arbeite ich und kriege die Luft von den Bergen. Und das Eis. Ich bin ein bisschen süchtig nach Eis und Schnee.

Ich habe nie Hunger und esse nur einmal am Tag. Gegen 22 Uhr komme ich hoch ins Esszimmer, habe das Gefühl, jetzt gibt es bald essen. Vegetarisch. Früher war ich süchtig nach Fleisch. Dann las ich Jesus Worte: „Man wird was man isst.“ Das gefiel mir. Sei achtsam, was Du isst und trinkst. Vor knapp zehn Jahren habe ich aufgehört Marijuana zu nehmen. Cannabis sollte nicht legalisiert werden, wegen der Kids. Alkohol ist noch schlimmer. Von Marijuana kann man was lernen, von Alkohol nichts. Es zerstört nur Gehirnzellen. Und Rauchen, das ist wie ein Monster, das deine Lungen benötigt. Ich tötete den Dämon als ich merkte, dass ich ihn nicht benötige. Ich sagte: Du wirst weder meine Lungen bekommen noch meinen Atem stehlen.

Ich schreibe den ganzen Tag. Zur Zeit an etwas, das ist zu gross für ein Song. Ich schreibe Texte, ich beschreibe die Zukunft. Es wird eine neue Bibel. Ich habe Millionen und Millionen und Billionen von Wörtern im Kopf. Wenn ich nicht aufschreibe, was ich empfange, wird das nie festgehalten für die nächste Generation. Früher hatte ich mal einen Myspace in Amerika, jetzt lade ich Wörter auf Facebook.

Meine Frau plant ihre Lebensgeschichte zu schreiben. Ich mache keine Pläne. Ich sitze hier und empfange Worte. Von überall. Ich denke global. Alles ist eine spirituelle Schwingung. Das Meiste was ich empfange, kommt aus Äthiopien. Ich wurde gesandt, um Urteile zu fällen. Um Erleuchtung zu bringen. Wenn ich den Mund aufmache, höre ich viele Sachen, von denen ich vorher nicht wusste, dass sie existieren.

Das hier ist das Haus Gottes. Ich glaube an die Bibel, meine Unordnung, Kunst, Gott. Gott ist ein Baby. Ich bin das Herz Gottes. Jah Rastafarai. Wenn der Hahn kräht, dann klingt das Rastaaaafaaahrai. Ich bin ein Naturmensch. Mein Sternzeichen ist Fische. Ich brauche das Wasser.

Die Toilette ist mein Ort der Inspiration. Mein Kunstraum. Wenn ich pippi mache macht es Tssschh und dip dip dip, es fühlt sich an wie der Ozean und der Wind und der Regen. Tssschh dip dip dip, das ist ein Beat! Auch hier draussen, vor meinem Arbeitsraum, wenn es regnet, auf meine Schamanen, auf eine Pfanne tropft, das ist ein Rhythmus: dapf dapf. Ich habe mehr Regen hierhin gebracht. Und mehr Sonne.

Ich mag nicht gestört werden, daher bin ich gern in der Schweiz, hier am Land. Die Schweizer mag ich. Sie kümmern sich um ihr eigenes Geschäft, lassen dich in Frieden. Das ist wichtig um zu arbeiten. Jamaica vermisse ich nicht so. Alle kommen und bitten um Geld. Die Leute haben nichts als Leid und Sorgen, saugen deine Energie. Ich lebe von meiner Energie. In meinem Haus in Jamaica habe ich ein grosses Tor und hohe Zäune. Ich habe einen Schweizer Pass. Gott hat mich hierhin geschickt um Babylon umzukehren. Aber ich finde nicht, dass die Schweiz so babylonisch ist wie Amerika.

Wenn ich Schamanen baue oder male, höre ich Musik. Ich mag, was komisch ist. Besonders die Red Hot Chili Peppers. Wirklich nette Jungs. Bevor sie berühmt wurden, kamen sie mich immer besuchen. Sie mochten meine Musik. Ich mag The Clash und die Beastie Boys. Ich mag die komischen Leute. Und ich mag komische Sachen wie meine Stiefel und die Militärjacke hier. Auf denen befestige ich Souvenirs, schau hier Bern, New York City, Valais, Marcus Garvey.

Jede Woche trete ich auf, Donnerstag bis Sonntag, irgendwo. Diese Woche? Weiss ich nicht, da muss man meine Frau fragen, die ist seit 22 Jahren meine Managerin. Letzte Woche? Gute Frage, hm. Ich musste fliegen. Hm. Ich fliege die ganze Zeit. Ich glaube Portugal und Dublin. Wenn ich auftrete, mache ich funny Sachen. Man lacht oder tanzt. Was ich mache, muss man lieben. Die Art wie ich mich anziehe, wie ich singe - man geniesst das. Es ist wie im Comic. Wegen der kosmischen Energie, der Comic Energy, Sonnenschein Energie, Regenwasser Energie, Natur Energie, Sexy Energy.

Diese Tage denke ich viel über die Rolle der Kirche nach. Das meiste was hier passiert, hängt mit Jesus zusammen, mit seiner Kreuzigung. Die Kirche saugt unser Blut. Sie ist Schuld an der Finanzkrise. Nicht der Staat. Irgendwann werden die Leute sich dagegen erheben. Wir brauchen eine Revolution. Morgens um fünf ruft mich meine Frau ins Bett, sonst würde ich Nächte durcharbeiten.

Freitag, 23. Dezember 2011

Welcome 2012

What do you see?

The Future

All mags bought in mid-December 2011

Über California

Kam da nicht mal die Zukunft her?
Unterwegs in Kalifornien für das Greenpeace Magazin.
Mit Nite Jewel, James Ferraro und Vela auf der Suche nach neuen Ideen für eine grüne Zukunft.


Greenpeace Magazin Cali

Greenpeace Magazine Cali 2

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Shabbat mit Sholom

Sholom

Einblicke in den jüdisch orthodoxen Alltag in Zürich. Erschienen als Titelgeschichte im Züritipp.

Samstag, 31. Dezember 2011

ZNR - Solo un dia en paradise



For Sophie

Mittwoch, 30. November 2011

From Hollywood with אהבה

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My friend hollywood music manager Jon Lieberberg has contributed a great essay on Jews in the Hollywood entertainment industry for this December issue of DU Magazin. I am glad to have introduced Jon to Du and having done the editing for this recommended piece.

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