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Montag, 21. Dezember 2009

Christmas Mixtapes

The Swinging Christmas Mix:

iTunes Cover!!! Great Artwork
Dwnld: http://www.mediafire.com/file/dmiryuytwty/JvP Swinging Christmas.zip

The Poppy Christmas Mix:

iTunes Cover !!! Great Artwork
Dwnld: http://www.mediafire.com/file/2ttymzt2moz/JvP Poppy Christmas.zip

These two mp3-only mixes offer three great opportunities. They make a nice gift! each one gives an Audio CD. You can forward the the link to people who need love. Plus you can support ineffective musicians by buying their stuff.

Swinging tracklist
DJ Johann von Preussen - klasse! - j.v.preussen@newyork.com

Poppy tracklist
DJ Johann von Preussen - wunderbar! - j.v.preussen@newyork.com



Technical Note: Following popular demand Johann von Preussen used proper mp3s for each song. In order to enable figuring out the artists more easily. Thus he did not equalize. Visit DJ Johann von Preussen for more mixes on: http://www.lastfm.de/music/DJ+Johann+von+Preussen

Montag, 14. Dezember 2009

Soundtrack - Kleine Lichter



Download: http://www.mediafire.com/?zzmjomggjyn

This compilation originally was a moodboard for an upcoming movie called "Kleine Lichter" starring Franka Potente. I put it together after a meeting with director Josef Rusnak to whom I was recommended for doing soundtrack advisory.

The movie is about a sad woman, who films herself in everyday life, talking about her feelings for her comatose lover.

Months later, I rediscovered the mix. Even though the soundtrack project failed, listening to it now is great. It's a movie on its own. An intimate winter journey. Listen to it when being on your own. Listen to it when thinking about last year right before New Years Eve.

Playlist:

1. John Maus - Do Your Best
2. Lucien Dubuis - Tatouilette
3. Crystal Castles - Alice Practice
4. Bülent Ortacgil - Olmalimi Olmalimi
5. Bassekou Kouyate & Ngoni Ba - The River Tune
6. Anna Aaron - Nothing Left
7. Busdriver & Radioinactive - Weather Locklear
8. Arthur Russell - See Through
9. Arthur Russell - Get Around to It
10. Julie Doiron - Blue
11. Arthur Russell - Habit of You
12. Nora Nova - Männer gibt's wie Sand am Meer
13. The Remo Four - Trambone

More mixes: http://hannesgrassegger.twoday.net/stories/5564518/
More mixes: http://hannesgrassegger.twoday.net/stories/5564509/

DJ Johann von Preussen: http://www.lastfm.de/music/DJ+Johann+von+Preussen

Samstag, 28. November 2009

Nachdenken über Wirtschaft

FAZ-Krise-Dubai

Warum wir? Wieder mal ist die Fabrikzeitung die Prophetin der Krise. Kaum war unsere aktuelle Ausgabe zum Thema Wirtschaft online, kaum hatten wir die Artikel zur kritischen Analyse der Vordenker der aktuellen Wirtschaftspolitik der Nationalstaaten abgeschlossen, verkündete Dubai seine Zahlungsunfähigkeit. Nun wird sich zeigen, ob die Krise wieder durchstartet. Ob die Arbeitslosigkeit weiter zunimmt. Unsere aktuelle Ausgabe beleuchtet wie sich zuviel und zuwenig Arbeit anfühlt, wie der Vater der modernen Ökonomie doch nicht irrte, was eigentlich John Maynard Keynes ist und was die Studentenproteste mit Wirtschaft zu tun haben.

Online hier: http://issuu.com/fabrikzeitung/docs/fz257

Als limitierte Printausgabe erhältlich in Zürich oder per Abo via:
http://www.rotefabrik.ch/de/fabrikzeitung/index.php

Dienstag, 25. August 2009

Bio Lebensmittel – Zeit für die Krise



Erst begannen die Stimmen der Kritiker laut zu werden. Dann erlebte die Biolebensmittel-Branche in vielen Ländern Europas heuer einen Rückgang der Zuwachsraten oder sogar Einbrüche. Doch in der Schweiz wächst Bio weiter. Statt einfach die Krise der Anderen abzuwarten, sollte man hierzulande die Chance nutzen, dazu zu lernen.

Von Hannes Grassegger

Herbst 2009, Zeit für Schlammschlachten. Traditionell rollen im Herbst die Attacken an, die man sich im Sommerloch zurechtgelegt hat. Diesmal können wir besonders gespannt sein, was die zertifizierten Bio (oft öko oder organic genannten) Lebensmittelprodukte angeht. Lebensmittel also, bei denen darauf verzichtet wird, bestimmte synthetische Pflanzenschutzmittel, Gentechnik oder Kunstdünger zu verwenden und bei deren Produktion eine möglichst geschlossene Kreislaufwirtschaft am Hof betrieben werden sollte.
Denn die schöne Biowelt ist nicht vor Unbill gefeit. „Bio Bschiss“ titelte der Blick Mitte August, nachdem eine Untersuchung im Aargau bei 17 von 25 untersuchten Bio Anbietern Beanstandungen ergab. Auch ein anderes Nebenprodukt der organischen Landwirtschaft macht nach unseren Informationen derzeit vor allem Baslern das Leben schwer: die Asiatischen Marienkäfer. Seit 2005 werden die roten Tiere mit den oft 19 Punkten in der Schweiz gesichtet. Seit 2008 in rauhen Mengen. Die Marienkäfer wurden von der organischen Landwirtschaft ausserhalb der Schweiz zur natürlichen Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Im Herbst werden sich die Käferchen nun eine Winterstatt suchen - vorraussichtlich massenweise in Schweizer Häusern.

Die Kritik an Bio

Schon im Herbst 2007 startete in der Weltwoche der deutsche Ex-Linke Michael Miersch, zusammen mit u.a. dem Publizisten Henryk M. Broder (Spiegel etc.) Betreiber des libertären Weblogs Achse des Guten, einen Angriff auf den „Mythos Bio“. Miersch behauptete, dass Bio „nicht gesünder“ oder „besser für die Umwelt“ sei. Der Nährstoffgehalt von Biofood sei z.B. nicht nachweislich höher als der konventioneller Lebensmittel und der hohe Raumverbrauch der Bioproduktion sei unverträglich mit dem Anspruch die Umwelt zu schonen.
Ein harter Angriff, denn laut Zukunftsforscher Matthias Horx (ebenfalls früher Blogger für die Achse des Guten) sind genau dies zwei Hauptgründe für den Konsum an Bio oder ähnlich gelabelten Produkten. In einer 19-seitigen Replik auf den Weltwoche-Artikel versuchte Urs Niggli, Leiter des FIBL (Forschungsinstitut für biologischen Landbau), ein wichtiger Bio Think Tank, Mierschs Argumente zu widerlegen. Ebenfalls 2007 deckte der Spiegel Misswirtschaft und Betrug im Biomarkt auf.
Nun erschien im Juli eine Studie des Londoner Instituts für Hygiene und Tropenmedizin, die auf der Basis umfassender Auswertungen wissenschaftlicher Studien der letzten 50 Jahre argumentiert, Bio Lebensmittel seien nicht nachweisbar gesünder. Nur Wochen darauf präsentierte das FIBL die Ergebnisse einer fünfjährigen Mammutstudie zu Bio und „low input food“ die der Londoner Studie widersprach. Bio Lebensmittel seien doch gesünder als konventionelle. Der Kampf tobt.

Bio am Ende?



Während die Experten streiten, reagiert der Markt. 2009 war kein gutes Jahr für die europäische Biobranche, meint die Forschungs- und Beratungsagentur Organic Monitor. Die Zuwachsraten der jeher zweistellig wachsenden Umsätze der Biobranche schrumpften auf meist einstellige Beträge zurück. Zuerst traf es Grossbritannien, wo der Markt 2008 nur um 2% wuchs. Noch schlimmer Deutschland. Hier gab es 2009 sogar den ersten Umsatzrückgang seit zehn Jahren. Minus 4% im ersten Halbjahr ermittelte eine Befragung der Konsumentenforscher der GfK. Triumphierend bloggt Miersch, er hätte den Rückgang schon im Januar 09 verkündet.
Zudem erfolgte der Einbruch in Grossbritannien, als sich die Wirtschaftskrise noch nicht so stark auf die allgemeine Kauflust ausgewirkt hatte. Ursache wäre somit nicht das Sparen in der Krise. Fast ein Viertel aller Schweizer zweifeln an Bio, erzählt eine weitere GfK Studie. Ist Bio bald am Ende?

Heute dort, morgen hier?

Auch wenn die Schweizer Lebensmittelzeitung diesen Mai titelt: „Bio Absatz läuft ungebrochen gut“ und das FIBL die zweistelligen Schweizer Bio Umsatzzuwächse für 2008 stolz auf 11,2% schätzt, so kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch den Schweizer Bios härtere Zeiten bevorstehen. Dabei wäre jetzt eine ideale Ausgangssituation um die schöpferische Zerstörung der Krise zu nutzen, Fehlentwicklungen zu korrigieren oder neue Optionen zu integrieren. Denn die Schweiz ist eines der innovativsten Bioländer mit dem höchsten Pro Kopf Konsum weltweit. Was nicht viel heisst. Nur etwa 5% des Gesamtumsatzes an Lebensmitteln hierzulande ist Bio, knapp 12% der Bauernhöfe produzieren Bio zertifiziert. Das ist nicht die Marktübernahme die man sich in Biokreisen einst erträumte. Selbst wenn’s der Weltwoche nicht gefällt, man könnte Bio grösser machen.

Bio neu verstehen



Bio muss neu verstanden werden. Bioplus ist das erste Stichwort. Dabei dreht es sich um die Integration neuer Käuferwünsche, „Mega Trends“ wie Klimaschutz, lokale Produktion und Fair Trade. Es klingt lustig: In Schweden gibt es jetzt CO2 neutrale Bio Milch zu kaufen. Krise ist die Zeit der Innovation.
Als Zweites gälte es, Konsumenten die Verwirrung zu nehmen. Berechtigte Kritik sollte ernstgenommen werden, Bio Suisse muss Lösungen anbieten. Einerseits indem informiert wird und diffuse Assoziationen (gesundheitsfördernd, Umweltschutz etc.) geklärt werden; andererseits, indem man den „Labelsalat“ auflöst. Es gäbe „keine Alternative zur Alternative“, schreibt Niggli in seiner Replik auf Mierschs Artikel. Laut SECO–Liste konkurrieren schweizweit 71 Lebensmittellabels, meist Produktlabels mit Bio-Appeal. Dies fordert vom Käufer einiges an Fachwissen. Wer durchschaut schon die Regelwerke der einzelnen Labels? Und wie gut diese überprüft werden? Viele der Ansätze (Traceability, Appellation Controlée, CO2-Ausstoss) sind schlau und gefragt; die Versprechungen der einzelnen Produktlabels überlappen sich zudem. Hier könnte man zusammenfassen. Krise ist die Zeit der Fusion.

Mittwoch, 29. Juli 2009

Kopenhagen Klimakonferenz Sonderausgabe

Die Uhr tickt. Denn Ende dieses Jahres wird die Zukunft unserer Welt verschachert.

Vom 7.-18. Dezember 2009 steht die wichtigste Konferenz seit Ende des 2.Weltkrieges an. In Kopenhagen entscheiden über 13.000 Delegierte über das zukünftige Ausmass an weltweiten Treibhausgasemissionen. Und damit nicht nur darüber, wieviel von Bangladesh untergehen wird oder vom Amazonas Regenwald übrigbleibt, sondern auch von unser aller Freiheit.

Kopenhagen Klimakonferenz Sonderausgabe der Fabrikzeitung

Zusammen mit den preisgekrönten Grafikern von Glashaus.ch haben wir eine Kopenhagen Klimakonferenz Sonderausgabe des Zürcher Monatsmagazines Fabrikzeitung konzipiert die es in sich hat. Frei von Alarmismus und voll von neuartigen Ansätzen. Renommierte Autoren aus den U.S.A, Deutschland und der Schweiz sprechen über die Psychologie des Wandels, Freiheit, Energie und Geld.

Kopenhagen Online Edition

Die Sonderausgabe mit einer grossen Fotostrecke des Künstlerduos Galic/Gredig erscheint am Dienstag 4. August. Erhältlich gratis als Print an ausgewählten Stellen in der Schweiz, online via Mail von ronorp.net oder hier: http://www.glashaus.ch/fabrikzeitung/FAZ253-Klimakonferenz(Weboptimiert).pdf

Abonnement: http://www.rotefabrik.ch/de/fabrikzeitung/index.php

Der Countdown läuft weiter.






Sonntag, 22. März 2009

"Ein neues Wirtschaftssystem entwickeln.“

Vielleicht klingt das in der Krise besonders verlockend: Wenn man genügend Geld hat, hat man Zeit für die Ideen, die einen wirklich interessieren. Und weil man nicht darauf angewiesen ist, kann man sie dann auch mit anderen teilen. Ein wohlhabender Schweizer Unternehmer nahm sich die Zeit, uns sein Wirtschaftssystem mitzuteilen, welches dieses Privileg allen ermöglichen soll.

Aufgezeichnet von Hannes Grassegger

Der eigensinnige Basler Unternehmer Georg Hasler hat ein neues Wirtschaftssystem im Kopf. Er verbindet darin zwei in jüngster Zeit immer häufiger diskutierte ökonomische Konzepte: bedingungsloses Grundeinkommen und eine radikale Veränderung der Eigentumsrechte an Ideen, genannt Freies Wissen. Im IT Bereich sagt man zu freiem Wissen Open Source, und da kommt Hasler auch her. Der drahtige Self-Made Mann ist gelernter Geigenbauer, arbeitete lange als Programmierer und ist nun erfolgreicher Immobilienunternehmer. Hasler ist 38; mag keinen Stress, hat aber in seinem Leben völlig unverhofft ganze Blocks im Basler Zentrum erworben; mit Freunden das gut laufende Basler Café und Kulturzentrum „unternehmen mitte“ (in dem man nichts konsumieren muss und sich trotzdem frei aufhalten darf) begründet und bewegt sich in der eingeschworenen Basler Mäzenatenszene. Kürzlich gab er mir das Manuskript seines ersten Buches in die Hand. Arbeitstitel ist derzeit „Blütenstaubwirtschaft“. Ich bin Ökonom, las sein Werk und dachte, es sei keine Verschwendung von Ressourcen, Georg Haslers Ideen zu diskutieren. Im Folgenden spricht er erstmals über sein demnächst in einem renommierten Schweizer Verlag erscheinendes Konzept.

- Herr Hasler, warum muss sich unser Wirtschaftssystem ändern?

Ich bin der Ansicht, dass wir uns in einem grossen Durcheinander befinden. Wir leben mit den Denkgewohnheiten und Gesetzen einer Industriegesellschaft mitten in einer Informationsgesellschaft. Das passt nicht zusammen und bremst, weil Informationen und Ideen, besonders was ihre Vermehrung betrifft, ganz andere Eigenschaften haben, als Gegenstände. Deshalb sollten wir nicht Ideen wie Gegenstände behandeln sondern ein neues Wirtschaftssystem entwickeln welches dieses Potenzial nützt.

- Was ist der Unterschied zwischen Gegenständen und Informationen hinsichtlich deren wirtschaftlicher Nutzung?

Zwischen einem Stuhl und einer Idee, z.B. der Idee wie man einen Stuhl baut, gibt es einen grundsätzlichen Unterschied. Auf einem Stuhl kann nur eine Person sitzen. Eine bestimmte Idee können beliebig viele Personen gleichzeitig anwenden. Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Stuhl nur einen Besitzer haben kann. Wer das ist, muss geklärt sein, um Streit zu vermeiden. Bei einer Idee ist dieser Streitfall nicht nötig, denn niemandem fehlt etwas, wenn dieselbe Idee von allen gleichzeitig benutzt wird.

- Wie sieht dieses neue Wirtschaftssystem aus?

Ein neues effektiveres und zugleich freieres Wirtschaftssystem orientiert sich am besten an der Natur: verschwenderisch in der Vielfalt, grosszügig in der Weitergabe der Gene und haushälterisch im Umgang mit knappen Ressourcen. Das Industriezeitalter hinterlässt uns das Gegenteil, d.h. materielle Verschwendung und geistiges Eigentum. Resultat ist eine lädiertes Ökosystem und ein stressvoller, für Viele beängstigender Alltag. Ich schlage die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens vor, um u.a. den Produktionszwang sinnloser Güter zu unterbrechen. Und ich denke konsequent weiter in Richtung Open-Source in allen Wissensbereichen.

- Warum nicht einfach Grundeinkommen? Warum noch Open Source?

Das Hauptargument gegen freies Wissen, z.B. freie Musik, ist ja immer die Frage, wovon die Denker, Forscher oder Musiker dann leben sollen. Anscheinend hängen die zwei Fragen eben direkt zusammen.

- Was meinen Sie mit Grundeinkommen?

Wenn das Wort „bedingungslos“ fehlt, dann heisst es nur dass niemand verhungert und dies wurde in den Industriestaaten längst erreicht. Das Problem sind die Bedingungen die daran geknüpft sind. Entscheidend wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen für jede Person ab Geburt; genügend hoch um die echte Wahl zu haben, nicht nur geistige Freiheit, sondern auch die materielle Freiheit zu kündigen und etwas anderes zu tun.

- Open Source bezieht sich auf offene Quellcodes bei Software. Sie meinen damit aber gemeinschaftlichen Besitz an Ideen, freies Wissen?

Man könnte Wissen einfach als kulturelles Erbe betrachten. Wie backt man Brot? Wie ätzt man Computerchips? Kultur heisst Wissen zu teilen, zu verbreiten und weiter zu entwickeln. Würde die Natur ihre frisch mutierten Gene nur gegen Gebühren weitergeben gäbe es keine Evolution.

-Was hiesse freies Wissen denn im Alltag? Z.B. für ein Werbeunternehmen, dass vom Verkauf seiner Idee lebt.

Hier geht es um die wirtschaftliche Unterscheidung zwischen Wissen und Können. Das Können einen konkreten Auftrag umzusetzen würde weiterhin bezahlt. Das Wissen welches dabei entstünde, sollte dem Nächsten sinnvollerweise aber nicht vorenthalten bleiben.

-Welcher Anteil der Wertschöpfung der Wirtschaft wäre von Ihrer Idee betroffen?

Das Wirtschaftssystem ist komplett betroffen weil alles zusammenhängt. Jedoch würde sich Vieles in eine sehr interessante, produktivere Richtung verschieben. Vor allem deswegen, weil der menschliche Kern des Wirtschaftens, das kreative Arbeiten von vielen Hindernissen befreit würde.

-Ist Ihr Vorschlag sozialistisch oder kapitalistisch?


Die zwei Systeme sind für mich wie Mann und Frau. Beide müssen sich ergänzen und für eine Informationsgesellschaft weiterentwickelt werden. Viel weiter.

-Was ist die Natur des Menschen in Ihren Augen? Ist er ein fauler Nutzenmaximierer oder ist von sich aus produktiv?

Natürlich beides. Kinder z.B. wollen einfach etwas tun, vom ersten Tag an. Arbeitslose sind über das Nichts-tun unglücklich obwohl sie Einkommen erhalten. Man möchte also etwas tun. Aber etwas, das Sinn macht. Doch auf die bequemste Art und Weise. Dies herauszufinden ist ja gerade das Lustige beim Arbeiten.

-Kann das bedingungslose Grundeinkommen in Verbindung mit Nationalstaaten überhaupt funktionieren? Würde ein einzelnes Land das Grundeinkommen bedingungslos auszahlen, würde jeder dem dieses System nützte in dieses Land ziehen. Müsste der Staat das Grundeinkommen dann nicht auf Staatsbürger beschränken? Was wäre mit den Nicht-beteiligten Einwohnern eines Landes? Dadurch entstünde doch eine Klassengesellschaft?

Das ist eine schwierige Frage zu der praktische Antworten gefunden werden müssen. Sie zeigt auch, dass ein solches System nicht einfach mal im Kleinen begonnen werden kann sondern nur im grossen Rahmen Sinn macht. Das heisst, die nächste Aufgabe ist es, Modelle zu entwerfen und vorurteilslos theoretische Arbeit zu leisten. Und dann braucht es mutige Entscheidungen. Island wäre ein derzeit ein hervorragender Testfall. Oder man könnte hier in der Schweiz eine Volksabstimmung durchführen. Die Dimension der Entscheidung erinnert mich an Situationen im 19. Jahrhundert, den Moment, als die Sklaverei abgeschafft wurde. Das hatten wir schon länger nicht mehr.

-Würde das Einführen von Freiem Wissen einer Verpflichtung gleichkommen, alle Ideen immer allen preis zu geben?

„Eigentum“ ist kein Naturgesetz sondern ein Rechtstitel, d.h. eine kulturelle Erfindung. Die Frage ist also, welche Dinge „eigentumsfähig“ sein sollen. Das muss ständig neu definiert werden. Früher zählten zum Beispiel auch Menschen, also Sklaven zum Eigentum. Das wurde abgeschafft. Dafür wurden in den letzten Jahrzehnten Eigentumstitel auf biologische und physikalische Entdeckungen vergeben. Das ist neu und ich meine katastrophal. Diese Gebiete sind wirtschaftlich wesentlich relevanter als das Downloaden von Musik oder Software, aber weniger sichtbar.

-Das jetzige Urheberrechtsystem ist doch klasse: Jeder kann jede Idee freigeben, wenn er will. Darüber hinaus hat er die Freiheit, für sich zu reservieren, was ihm zusteht: Patente etc. Würde Ihr Vorschlag diese Möglichkeiten nehmen, wäre die Freiheit des Einzelnen geringer. Ist Ihr System unliberal?

So frei ist das gar nicht derzeit. Wer z.B. Mitglied bei der GEMA ist, darf nicht mehr unter Creativ Commons [einem flexibleren Urheberrechtssystem; d. Red.] veröffentlichen. Wer an der Universität oder in Firmen forscht, unterliegt strikten Regeln.

-Wer steht hinter der Idee der Kombination freien Wissens und des bedingungslosen Grundeinkommens und würden Sie davon profitieren?


Es ist nicht nur meine Idee. Am bedingungslosen Grundeinkommen und an Open Source arbeiten Viele seit langem. Ich setze mich einfach dafür ein, weil mir beides eine logische Lösung scheint, um eine nachhaltigere, lustvollere Welt zu schaffen, die auch unserer Technologie entspricht.

-Woran wird Ihre Idee scheitern?

So denke ich nicht.

-Wenn Sie für Freies Wissen sind: Gibt es ihr Buch dann kostenlos im Internet? Und darf jeder es einfach umschreiben und weiterverbreiten?

Downloaden klar. Aber gedruckte Bücher sind schöner zum Lesen. Den Text umschreiben? Nein. Aber die Ideen nehmen und selber weiterdenken – hoffentlich.

Kurztrip in die Vorhölle

Alle beneiden mich um einen Kurztrip. Ich war in der Vorhölle. Fast vor der Haustür schrien mir die Verdammten entgegen. Urlaub in der Heimat. Irre.

Hannes Grassegger

Zu Fuss durch die Sahara oder 2000 Kilometer im Fischerboot auf dem Atlantik – Migranten sind Pioniere des Extremtourismus. Die Bilder der Afrikaner auf Fuerteventura gingen um die Welt. Nach dem Rausch der Ankunft folgt das nächste Level: Das Asylverfahren. Eine Reise über innere Grenzen.

Nun bietet Limbo Travels, eine „Agentur für Grenzerfahrungen“ Asyltourismus für Einheimische. Gefühlstourismus, den Trip in den Limbo, eine Reise in den Schwebezustand, verspricht der Veranstalter. „I’m in a Limbo“, sagt man auf Englisch, wenn man unentschieden ist. In der ewigen Schwebe zwischen Glück und Leid warten die schuldlos zu Schuld gekommenen im Limbus, dem von Dante Alighieri bereisten, äussersten Kreis der Hölle.

Ich wähle eine Schnuppertour. Vier Stunden, Zürich - Kloten retour. Ausgangspunkt ist der Wartesaal des Zwischendecks im Hauptbahnhof. Der Reiseführer heisst Matto Belmondo, ein Typ mit Piratenvisage und weissem Leinenanzug. Erst kassiert er mein Handy und eine Pauschale ein. Dann den Pass. Im Gegenzug gibt er ein Mobiltelefon mit Headset sowie einen visitenkartengrossen Passersatz aus. Das Papierstück trägt meinen Namen, mein Geburtsdatum, die Nationalität, sowie eine Nummer und ein Passbild.

In der S-Bahn nach Kloten testet der Reiseleiter den Audioguide. Ein Legionärsgesang läuft über unsere Kopfhörer. „Kameraden wir haben die Welt gesehen.“

Am Flughafen steigen wir aus. Das Guideprogramm steuert uns. „Die Rolltreppe hinauf, jetzt links, stehen bleiben. Sehen sie nach oben. Kameras. Weiter. Achtung. Polizei. Weiter.“
Wir gelangen in ein verstecktes, halbdunkles Gebetszimmer. „Irgendwo hinter dieser Wand“, flüstert unsere Kopfstimme, „befindet sich der ehemalige Andachtsraum des Transit. Jetzt aber wird der Raum benötigt. Für Asylbewerber im Schnellverfahren. Diese warten eingeschlossen im Transit auf ihre Ausschaffung. Dort bewegen sie sich frei zwischen den Reisenden und leben von Gutscheinen für Duty Free Shops.“

Plötzlich hat es unser Guide eilig. Wir rennen durch das Labyrinth, Türen öffnen sich, es wird hell, atemlos stehe ich im Freien. Ein Bus bringt uns ins Industriegebiet Glattbrugg. Linker Hand Bürogebäude, rechts ein Bauernhof, nebenan Wald. Peripherie statt Reiseziel.
Wir folgen Feldwegen, staken durch Gestrüpp und gelangen zu einem wuchtigen, sechsstöckigen Plattenbau mit hohen Stacheldrahtzäunen. Belmondo verliest die Spezifikation seines Reisekataloges. Der graue Klotz ist das Flughafengefängnis und wurde 1994 ursprünglich als Untersuchungsgefängnis konzipiert. Von 214 Plätzen dienen nun 106 zur Ausschaffungshaft, unterteilt in Einzel- und Dreierzellen. Unterschiedliche Ethnien können durch Gatter getrennt werden, 73 Mitarbeiter garantieren den Service für die als Klienten bezeichneten Ausländer. Ziel der Haft ist einzig die Bereithaltung für die Ausschaffung. Einfach Warten, solange das Verfahren eben läuft. Neun Monate dürften eigentlich nicht überschritten werden.
„Warten ist eine Schande in unserer Welt, Zeichen eines niedrigen Status und bewusste Zermürbungstaktik.“ kommt es aus unseren Kopfhörern.
Plötzlich dringen Schreie aus dem Bau. „Was macht ihr hier?“, ruft eine englische Stimme, „Das ist Babylon. Du kannst eingeschlossen werden für zwei, drei Jahre. Für nichts. Illegal. Es gibt kein Menschenrecht in der Schweiz.“ „Sie schubsen uns, fesseln uns, mit Gewalt. Das ist hässlich“ ruft ein Anderer. „Das kann ja nicht wahr sein, das ist schlimm. Wir überleben. Wir werden überleben.“ Ich denke an Dantes Reise, die Schreie der Verdammten. „12 Monate. Für nichts“ klagt die zweite Stimme. Dann ein heulendes Jammern. Ein sanfter Warnton erklingt und eine weibliche Stimme fordert uns auf weiterzugehen.**

Vorbei am Gefängnis zu einer angrenzenden Containersiedlung. Mein Guide räuspert sich. „Und jetzt wenden wir uns dem Rümlanger Spezialzentrum Rohr zu. Eine weitere Station für unsere Klienten. Beachten sie die Architektur. Minimal, funktional und temporär.“ Donnernd zieht ein Jet über uns hinweg. „Geniessen Sie den direkten Blick auf den Flughafen.“
Drei Trakte aus stählernen Schiffscontainern bilden ein Lager für Problemfälle unter den Asylsuchenden, etwa 50 Menschen die in irgendeiner Lücke des Asylverfahrens feststecken. Ausschaffung oder Glücksfall; räumlich unterteilt in Afrikaner, Araber und Leute aus der GUS. Ein einziger schaffte es einst von hier aus legal in die Schweiz, erzählt unser Audioguide.

Aus einem Fenster winkt uns ein Mann zu. Er lädt uns ein, hereinzukommen, doch eine Aufpasserin hält uns auf. Er fordert unsere Ausweise als Pfand. Erstaunt betrachtet der Angestellte unsere Ersatzpapiere, doch er nickt und lässt uns hinein.
Der Asylantenbehälter ist aufgeräumt, Putzpläne hängen an der Wand. Die Decken sind niedrig, Flugzeuglärm erschüttert das Provisorium. Unser Gastgeber Jonas* bittet uns in den Gemeinschaftsraum. Ein Tisch mit Sofaecke und Fernseher, ein Hiphop Video läuft. Er serviert Limbo-Spezialitäten, Nèscafé und Kochbananen. Sudan sei seine Heimat, er sei seit drei Jahren in der Schweiz im Verfahren. Er zeigt uns seine Identitätskarte, die genau aussieht wie mein Passersatz. Im Heim sei er neu. Es herrsche permanenter Ausnahmezustand. Alle seien gestresst, einige psychisch gestört. Die Kontrolle, die Ungewissheit, das ewige Warten. Hinter Jonas schleicht eine Frau vorbei. Die Einzige hier, flüstert er. Am schlimmsten sei das Dynamisierungsverfahren. Seit neuestem müssten abgewiesene Asylbewerber sich alle sieben Tage in Zürich immer wieder neu um eine Bleibe bewerben. Wohl damit man rastlos bleibe, vereinsame und aufgebe. Einige „7-Täger“ hätten Rayonverbot und dürften Zürich nicht betreten, für die Bewerbung müssten sie aber in die Stadt und machten sich somit kriminell. Qualvoll sei auch, dass man nicht arbeiten könne. Er habe 17,50 in Bar pro Woche, sonst nur Gutscheine. Man warte und warte, jeden Tag könnte man abgeholt werden, in der Heimat erwarte einige die Hölle.

Wir müssen weiter. Nur jede Stunde fährt hier wo, Fuchs und Hase sich Gute Nacht sagen, der Bus. Wir haben ihn verpasst. Ratlos stehen wir am Strassenrand.

Da hält ein Wagen, der Fahrer bietet an uns mitzunehmen. Auf der Fahrt unterhalten wir uns. Ich sei Tourist, erkläre ich. Auch er reise gerne, meint der Fahrer schmunzelnd, mehrmals im Jahr nach Asien. Gerade sei er wieder auf dem Sprung nach Bangkok. Mit Schweizer Pass hätte man sich früher sogar immer wieder etwas dazu verdienen können. Oft hätte er Angebote erhalten, Gratisflug und Aufenthalt inklusive. Man hätte nur mit Fremden gemeinsam durch die Passstellen der Flughäfen gemusst. Migranten mit gefälschten Papieren, die sich in Begleitung sicherer fühlten beim Grenzübertritt. Er sehe sich da eher als Helfer. Schliesslich dürfe jeder gehen, wohin er wolle. Das sei Menschenrecht.

An der Ecke Lang/Militärstrasse werden wir abgesetzt. Unser Guide muss dringend etwas erledigen. Er verschwindet. Wir warten. Auf unsre Pässe.


(Anmerkung: Dieser Text wurde im Herbst 2007 im Auftrag des Schweizer Magazin verfasst aber nicht abgedruckt. Merci Finn.)

*Offizielle Identität der Redaktion bekannt
** Video Mitschnitt geplant unter www.dasmagazin.ch

Kasten:

Der Reiseveranstalter, Schauspieler und Performancekünstler Andalus, 36, studierte Neue Medien in Zürich und Schauspiel in Bern. Als DJ heisst er Andaloop, als Tourguide Matto Belmondo. Limbo Travels entstand im Rahmen seiner Diplomarbeit an der HGKZ. Touren sind ab Oktober nur im Netz buchbar. Für den Limbo Man, einen Doppeltriathlon von Marokko nach Gibraltar würde Liniger gerne Ernesto Bertarelli als Sponsor gewinnen. Informationen unter www.limbolife.org

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Arthur Russell

Ca. 1981

Ein Film und eine neue CD stellen den musikalischen Avantgardisten Arthur Russell als Pop- und Folksänger vor.

Von Hannes Grassegger

Langsam erkennt die Welt, was sie an Arthur Russell gehabt hat, dem 1952 geborenen und 1992 an Aids verstorbenen Cellisten. Seit ein paar Jahren wird dieser Musiker neu entdeckt, der in den 70er Jahren indische und klassische Musik studierte, der in der Avantgarde wie in der Disco verkehrte und der in seinen leichtfüssigen Kompositionen die Songwriter-Tradition mit Neuer Musik verband. Man sieht im Amerikaner den Missing Link zwischen Avantgarde und Disco, und Kritiker vergleichen seine Bedeutung mit der von Brian Eno.

Jetzt könnte auch ein breiteres Publikum auf Arthur Russell aufmerksam werden: Der Film «Wild Combination», eben auf DVD erschienen, erzählt sein Leben, und die CD «Love Is Overtaking Me» zeigt eine neue, unbekannte Seite dieses Künstlers - den Popmusiker und Singer/Songwriter.

Late 80ies

Todkrank, manisch komponierend

Im Dokumentarfilm des jungen Regisseurs Matt Wolf wird Arthur Russell erstmals überblickartig porträtiert. Streng chronologisch, wie das bei diesem komplizierten Lebensweg kaum anders möglich scheint, stellt Wolf den Weg Russells vom Landei zum gefeierten Discoproduzenten dar - und zum halbvergessen dahinsiechenden, manisch komponierenden Aidspatienten. Sein Lebenspartner Tom Lee, aber auch der Dichter Allen Ginsberg oder der Komponist Philip Glass bieten Einblicke in das Leben des homosexuellen Aussenseiters, der nach seiner Flucht aus der ländlichen Provinz in San Francisco einer buddhistischen Sekte beitrat und diese verliess, um mit Ginsberg zu musizieren. Der 1973 mit dem Traum, Pophits zu schreiben, nach New York zog, dort musikalischer Leiter des Avantgardelaboratoriums The Kitchen wurde und dann sein Herz ans Nachtleben verlor.

Schöne Aufnahmen der Partys im The Loft machen verständlich, wie der an serieller Musik geschulte Russell in New Yorks monotonen Rhythmen und blühender Gay Community vieles von dem fand, wonach er immer gesucht hatte. Seine chaotischen, hippiesk improvisierten Aufnahmesessions mit einigen der berühmtesten New Yorker Discogrössen - Nicky Siano, Larry Levan, die Ingram Brothers - brachten Disconummern hervor, für deren Originale die Sammler heute Hunderte von Dollars hinblättern.

Countryboy

Der Avantgardist als Popsänger

Spätere Soloprojekte zeigen eine andere Seite. Hier lässt Russell seinen zwischen brüchigem Falsett und flächigem Tenor wechselnden Gesang einzig durch die abstrakte Rhythmik seines im Pizzicato gespielten Cellos begleiten, selten ergänzt durch Schlagzeugcomputer.

Der Film zeigt wenig, was man über Arthur Russell noch nicht gewusst hat. Er ist für Einsteiger aber eine gute Gelegenheit, diesen musikalischen Einzelgänger kennen zu lernen. Auch für Kenner eine Entdeckung ist aber der Popmusiker Arthur Russell: «Wild Combination» präsentiert bisher unveröffentlichte Folk-, New-Wave- und Country-Nummern aus Russells Nachlass, die durch Eingängigkeit und kompositorische Eleganz bestechen.

Diesen Russell, der an der Gitarre über Gott und Girls (!) singt, den kannte man noch nicht. Seine Dreiminutensongs sind auch auf der neusten CD auf Audika greifbar, auf jenem Label, das eigens zur Veröffentlichung des Russell-Nachlasses gegründet worden ist: «Love Is Overtaking Me» ist eine sehr empfehlenswerte Sammlung in teilweise begrenzter Aufnahmequalität. Aber so klingt es halt, wenn man aus dem Grab heraus Pophits veröffentlicht.

Wild Combination: A Portrait of Arthur Russell. Regie: Matt Wolf (Plexifilms).

Arthur Russell: Love Is Overtaking Me (Audika).

Dienstag, 12. August 2008

Nicht immer ist fair drin, wo fair draufsteht

Das Geschäft mit Fair-Trade- und Bioprodukten wächst mit bis zu 50 Prozent pro Jahr. Das zieht auch Firmen an, die nicht ganz korrekt arbeiten.

Von Hannes Grassegger

Die Max-Havelaar-Bananen verstauen, den Hybridwagen starten, die Lippen mit tierversuchsfreier Schminke nachziehen und den Rock aus sozialverträglicher Produktion zurechtrücken, fertig ist der Lohas. Lohas - Lifestyle of Health and Sustainability - ist das Marketing-Kürzel für Konsumenten, die versuchen, gesund und nachhaltig einzukaufen, ohne dabei ihren Anspruch an Qualität zu senken.

Schätzungen, wie gross diese neu entdeckte Zielgruppe ist und wie viel Geld sie zur Verfügung hat, variieren je nach Land stark. Fest steht aber, dass sie auf immer mehr Konsumgütermärkten rege bedient wird. Ob Niedrigenergie-Laptops von Fujitsu, Hybridautos von Toyota oder Fair-Trade-Shirts von Coop - der Markt boomt. Vorbild sind die Biolebensmittel: Ihr Marktanteil liegt in der Schweiz bereits bei knapp 5, in Grossbritannien gar bei 7 Prozent.

Moral ist ein Markt

Laut dem Konsum Report Schweiz von ZKB, WWF und der Universität Zürich glauben 80 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer, dass die Verantwortung für die Lösung drängender Umweltprobleme bei ihnen selber liegt. Übersetzt auf das Kaufverhalten, erklärt dies auch die überproportionalen Zuwachsraten im Bio- und Fair-Trade-Sektor. 25 bis 55 Prozent Marktwachstum prognostiziert beispielsweise der Biobaumwollverband Organic Exchange weltweit für das Jahr 2008.

Dahinter steckt eine Verhaltensänderung: Der Konsument achtet beim Einkauf nicht nur auf Preis und Leistung, sondern zahlt für die Verringerung schädlicher Effekte seines Konsums. Das widerspricht den theoretischen Annahmen der klassischen Ökonomie. Der deutsche Volkswirt und Kulturwissenschaftler Nico Stehr wittert deshalb gar eine «Moralisierung der Märkte». Zunehmender, weiter verbreiteter Wohlstand und steigende Bildung seien Ursachen dieses tief greifenden sozialen Wandels.

Wenn der von mexikanischen Indiogemeinden produzierte Fair-Trade-Kaffee sich gegen qualitativ ähnliche, aber günstigere Konkurrenz im Supermarktregal behauptet, so sieht Stehr darin einen Beleg für seine Annahme, dass die materielle Rationalität der Ökonomie im Zeitalter des Überflusses zurücktritt.

Noch sind die Preisunterschiede von normalen zu fair produzierten oder ökologischen Produkten aber im Verhältnis zu den tatsächlichen Mehrkosten zu gross. Bei einem T-Shirt etwa machen die Löhne nur gerade 0,4 und das Material nur 8 Prozent der Gesamtkosten aus, wie 2005 aus einer Studie für das deutsche Umweltministerium hervorging. Hingegen fallen ein Drittel der Produktionskosten im Marketing an.

Fair oder falsch?

Das ist umso problematischer, da der Kunde bis heute keine Garantie erhält, dass er auch bekommt, wofür er bezahlt. Ein Beispiel dafür ist der amerikanische T-Shirt-Produzent American Apparel. Jahrelang galt das Unternehmer als «Öko-Kleiderfirma». Auf der Welle dieses Rufs reitend, entstand so in den letzten 10 Jahren ein börsenkotierter Konzern mit weltweit 180 Filialen und einem Umsatz von 435 Millionen Dollar. Zertifikate, die Fairness und Ökologie bescheinigen, gibt es allerdings keine. Das Wirtschaftsmagazin «Brand eins» berichtete kürzlich, dass die «einzige Produktionsstätte» des Konzerns 70 Prozent der fertigen Stoffe von Drittanbietern bezieht. «Woher die Zulieferungen kommen, mag American Apparel nicht verraten», so das Magazin. Konkrete Vorwürfe gibt es keine. Die Unsicherheit alleine ist aber bereits ein Problem.

Mit der zunehmenden Bedeutung des Marktes für fair produzierte Produkte zeichnet sich hier aber eine Wende ab. Erneut haben es Bioprodukte vorgemacht: Nur mittels Labels, Zertifikaten und Mindestanforderungen lässt sich die Marke Fair Trade vor Missbrauch und Verwässerung schützen. Je härter der Wettbewerb, desto grösser das Interesse der Unternehmen, sich vor Trittbrettfahrern zu schützen.

http://sc.tagesanzeiger.ch/dyn/news/wirtschaft/923374.html

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